Dienstag, 30. April 2013 23:21 Uhr
URL: http://www.giessener-anzeiger.de/lokales/stadt-giessen/nachrichten/13039835.htm

Gießener Anzeiger

Nachrichten 

„Rassismus im Alltag“: FDP will‘s wissen

27.04.2013 - GIESSEN

Liberale in Gießen laden zu Gesprächsrunde ein – Immer wieder „merkwürdige Situationen“

(cvg). „Denken Sie sich einfach die Anführungszeichen und das ironische Fragezeichen am Ende dazu“, stimmte der Gießener FDP-Vorsitzende Dr. Martin Preiß im Versailles-Zimmer in der Gießener Kongresshalle sein Publikum auf das Thema des Abends ein: „Gibt es Rassismus im Alltag?“. Ihre persönlichen Erfahrungen mit disem Thema schilderten Preiß‘ Podiumspartner: Die Vorsitzende des Gießener Ausländerbeirats, Sarah Stefanos, sagte, sie selber sei in Deutschland geboren, fühle deutsch und spreche deutsch. Ihre Eltern seien aus Eritrea nach Deutschland geflohen. Sie schilderte Erlebnisse, die sie während der Wohnungssuche durchaus auch in Gießen erlebt habe: „Solange ich am Telefon mit den Vermietern sprach, war alles in Ordnung. Kam ich dann zum vereinbarten Termin, so wurde dann die Tür nicht geöffnet.“

„Als ich nach Deutschland kam, war ich wohl selber Rassist gewesen“, brachte Dr. Dow Aviv vom Vorstand der Jüdischen Gemeinde in Gießen einen anderen Aspekt in die Debatte: Er sei vor 34 Jahren aus Israel nach Deutschland gekommen. Ohne ein Wort Deutsch zu können, dafür mit den Bildern im Kopf, die er in Israel gelernt habe. Dort sei Deutsch gleich bedeutend mit Nazitum gewesen, wer Deutscher war, sei damit auch Nazi. Als er dann nach Deutschland gekommen sei, habe er lernen müssen, dass dies nicht der Wirklichkeit entsprach.

Einen ganz anderen Weg zeigte der 1972 in Frankfurt geborene Yanki Pürsün, heute Kommunalpolitiker in Frankfurt und Vorstandsmitglied der liberalen Türkisch-Deutschen Vereinigung: Seine Eltern seien seinerzeit aus der Türkei nach Deutschland gekommen. Seine Eltern hätten von Anfang an dafür gesorgt, dass er mit der deutschen Sprache aufwachse. Zu merkwürdigen Situationen komme es aber immer wieder. Auch mit der Polizei. So berichtete Pürsün von Kontrollen, in denen die Polizisten wissen wollten, wo er denn her käme. Wenn er dann sage, aus Niederrad und außerdem stünde ja alles im Personalausweis, käme dann die Frage, „ja, wo kommen Sie denn richtig her?“.

Der Gießener Bezhad Borhani, der seit seinem sechsten Lebensjahr in Deutschland lebt und heute bei der hessischen Sportjugend unter anderem für internationale Jugendarbeit, Europangelegenheiten und Rechtsextremismus zuständig ist, warnte davor, dass es innerhalb Europas zu einem neuen innereuropäischen „Rassismus“ kommen könnte, ausgelöst durch die Finanz- und Wirtschaftskrisen der vergangenen Jahre.

Wolfgang Greilich, stellvertretender Gießener FDP-Vorsitzender und hessischer Landtagsabgeordneter, stellte dazu fest, dass es ja einige 100 Nationen in Deutschland gebe, mit dementsprechend vielen Abschlüssen. Ein Ingenieur, wie er in Deutschland verstanden werde, sei in Russland vielleicht ehedem ein ausgebildeter Traktorfahrer gewesen.


IHRE REGIONALE TAGESZEITUNG

Wetter

Mehr Wetter

Abstimmung

Neuer "Tatort" -Kommissar: Hat Ihnen der Einstand von Wotan Wilke Möhring gefallen?




Region

Specials

  • Logo zum Special "Zeitungstreff" Zeitungstreff Schüler betätigen sich als Reporter – hier ihre Artikel und Bilder
  • Kruschel Anzeiger In unserem Online-Special finden Sie spannende Geschichten und Unterhaltung für Kinder, sowie Service Themen für Eltern.
  • Logo zum Special Gießen-Trends. Copyright: GA/RMD Gießen-Trends Ergebnisse der repräsentativen Umfragen des Gießener Anzeiger in Zusammenarbeit mit dem Institut für empirische und angewandte Sozialforschung an der Justus-Liebig-Universität Gießen.

2 Wochen kostenlos Probelesen










Fuß Zurück zum Service | Zurück zu den Verlagsservices | Zurück zur Navigation | Zurück zum Inhalt | Zurück zur rechten Spalte
Ende der Seite Zurück zum Service | Zurück zu den Verlagsservices | Zurück zur Navigation | Zurück zum Inhalt | Zurück zur rechten Spalte
0.294412136078 Sekunden