Frankfurt - 24 | 3 | 2011

Kommunalwahlkampf 2011

Gegen das Gähnen

Was das Kubi sonst tut: Beispiel Last-Minute-Ausbildungsbörse.
Foto: FR/Kumpfmüller

Von Tatjana Müller

Warum soll man wählen gehen? Was tun Politiker für die Jugend und deren Chancen auf dem Arbeitsmarkt? Das waren zwei wichtige Fragen, die bei der Podiumsdiskussion im Kubi-Internetcafé im Nordend am 23. März von Politikern beantwortet werden sollten. Mike Josef (SPD), Ezhar Cezairli (CDU), Hilime Arslaner (Grüne), Carmen Thiele (Linke) und Yanki Pürsün (FDP) standen drei Klassen der Wilhelm-Merton-Schule Rede und Antwort.

Kubi bietet Beratung an der Schwelle von der Schule zur Berufswelt an. Die Schüler finden bei dem Verein Hilfe bei der Stellenrecherche und beim Schreiben von Bewerbungen. Des Weiteren üben die Mitarbeiter von Kubi mit den Jugendlichen Vorstellungsgespräche zu führen oder erklären auf was man bei einem Einstellungstest achten muss. Die Angebote kommen vor allem Jugendlichen mit Migrationserfahrung zugute.

Bei der Begrüßung wird den Jugendlichen erklärt, dass sie an der Politik sehr wohl auch mitwirken können und sie deshalb ihre Interessen äußern und eben wählen gehen sollten. „Man muss die Distanz zwischen der Jugend und der Politik abbauen“, sagt Freidemokrat Pürsün. Er erwartet ganz offensichtlich, dass diese Distanz nicht allein von der Politik verringert wird.

Der Geldbeutel ist nicht wichtig

Nachdem die Politiker die Grundzüge ihrer jeweiligen Partei vorgestellt haben, erklären sie deren Ziele in Sachen Jugendförderung. „Die Kinder sollen so lange wie möglich gemeinsam lernen“, meint Thiele. Auch für ein besseres Nachmittagsangebot an Schulen setze sich die Linke ein. Für die Grünen, sagt Arslaner, sei es von großer Bedeutung, "direkt auf die Jugendlichen zuzugehen", um ihnen einen Einstieg in die Berufswelt zu erleichtern. „Der Zugang zur Bildung darf nicht von dem Geldbeutel der Eltern abhängen“, verkündet Sozialdemokrat Josef und betont das Ziel seiner Partei, mehr Perspektiven durch die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems zu ermöglichen. Cezairli von der CDU tritt für die Kindergartenpflicht ein, da eine Förderung so früh wie möglich beginnen müsse.

Besonders hohe Bedeutung geben alle Politiker auch der Aufklärung der Eltern. Sie dürften sich nicht auf die jeweiligen Lehrer verlassen, sondern müssten selbst ihre Kinder motivieren, sich in der Schule anzustrengen und an die Zukunft zu denken. Dazu gehöre bereits die Unterstützung bei der Suche nach einem Praktikum während der Schulzeit.

Und mein Abschluss?

Das hören die anwesenden Jugendlichen alles sehr wohl, aber ihre größte aktuelle Sorge ist deutlich zu erkennen: Was ist mein Abschluss noch wert? Die Möglichkeit für Hauptschulabsolventen, die Mittlere Reife in Frankfurt nachzuholen, ist gering, so dass ein Aufstieg - überhaupt ein brauchbarer Berufseinstieg - für sie im Moment kaum möglich ist. Cezairli wendet ein, dass nicht nur der Abschluss zähle, sondern der Gesamteindruck des Einzelnen. Das Interesse an einem Beruf müsse da sein und nicht nur die guten Noten.

Die Appelle und die gut gemeinten Worte hören sie alle, nur konkrete Anleitung finden sie selten darin. Zwei, drei Berufsschüler zeigen sich deutlich an diesen sonst so seltenen Gästen interessiert und daran, wie eben sie die Jugend sehen. Viele der Schüler aber müssen ab und an ein Gähnen unterdrücken. Außer, wenn es direkt um ihre persönliche Erfahrung, ihre Lebensumwelt, die Schule und das Danach geht. Da merkt man: Sie wollen, dass die Politik was tut.

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