Frankfurt - 3 | 11 | 2010

Gesundheit

Mängel in der Hygiene

Die Uniklinik steht nach Angaben des Gesundheitsamts "noch am besten da".
Foto: FR/Müller

Von Friederike Tinnappel

Um die Krankenhaushygiene zu verbessern, hat die bundesweit agierende Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (Krinko) im Herbst 2009 Empfehlungen herausgegeben. Danach müssten sich in den Frankfurter Krankenhäusern 35 Hygiene-Fachkräfte zum Beispiel darum kümmern, dass die Patienten vor gefährlichen multiresistenten Keimen (MRE) geschützt werden. Wie aus einem jetzt vorgelegten Bericht des Magistrats hervorgeht, wird die sogenannte Krinko-Richtlinie bislang aber „in keinem Haus erfüllt“.

Am besten „steht die Uniklinik da“, erklärte der stellvertretende Leiter des Frankfurter Amts für Gesundheit, René Gottschalk. Eine Fachkraft für Krankenhaushygiene koste viel Geld und beschere dem Haus keine Einnahmen. Vor allem die kleinen Krankenhäuser im Umland seien bei der Hygiene im Verzug. Nicht selten würden infizierte und schwerkranke Patienten nach Frankfurt abgeschoben. „In Frankfurt läuft es langsam besser.“

Gottschalk kritisierte mit Ausnahme der Goethe-Universität die medizinischen Fakultäten. Es gebe „viel zu wenige“ Lehrstühle für Krankenhaus-Hygiene. „Das ist ein Drama.“ Früher sei die deutsche Hygiene weltweit führend gewesen. Aus pekuniären Gründen gebe es jetzt bundesweit zu wenig Spezialisten.

Die Frage, wie viele Patienten jährlich an einer im Krankenhaus erworbenen Infektion erkranken und wie viele daran sterben, konnte der Magistrat in seinem Bericht nicht beantworten. Für Infektionen mit multiresistenten Keimen gibt es seit Juli 2009 eine Meldepflicht. Innerhalb eines Jahres wurden dem Amt für Gesundheit 33 Fälle gemeldet. Nach Einschätzung von Gottschalk bedeutet die geringe Zahl, dass die Meldepflicht nicht in vollem Umfang wahrgenommen wird. Eine andere Erkenntnis in dem Magistratsbericht ist, dass es zu wenige Einzelzimmer gibt, um MRE-Patienten zu isolieren und von den Keimen zu befreien.

Um die Situation in der Region nachhaltig zu verbessern, wurde im Juni diesen Jahres das MRE-Netzwerk gegründet, dem Gesundheitsämter, Kliniken, Pflegedienste, Altenheime und Landesärztekammer angehören. Vorsitzende ist Ursula Heudorf aus dem Amt für Gesundheit in Frankfurt.

Für das Frankfurter Gesundheitsamt ist die Krankenhaus-Hygiene bereits seit 20 Jahren ein Arbeitsschwerpunkt. Da viele Kliniken externe Hygiene-Berater engagieren, gibt es seit 1999 sogar einen „Hygiene-Aschermittwoch“: Zunächst war es ein Zufall, dass sich das Stadtgesundheitsamt mit den Beratern ausgerechnet an einem Aschermittwoch traf, um sich auf gemeinsame Standards zu verständigen. Seitdem trifft sich die Runde immer wieder am gleichen Tag.

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