Ein Affront

Frankfurter Liberale kämpfen gegen Gerüchte interessierter Kreise und für eine Ministerin Nicola Beer
VON JUTTA OCHS

Der Satz wird in den Gerüchteküchen in diesen Tagen permanent wiederholt, ohne dass einer den Urheber nennen würde, verfestigt sich und zerrt den Frankfurter Liberalen an den Nerven. "Nicola Beer wird es nicht zur Ministerin bringen, nicht mal zur Staatssekretärin." Die noch 38-Jährige, morgen hat sie Geburtstag, soll in "der Fraktion" im Landtag nicht ausreichend geschätzt sein. Diese Fraktion ist allerdings gerade erst neu gewählt, auf 20 Sitze angestiegen und hat sich wohl schwerlich schon eine gemeinsame Meinung gebildet. Aus Frankfurt sind Nicola Beer und - ganz neu - Juli-Chef Hans-Christian Mick vertreten. Chancen auf einen Einzug hätte, wie berichtet, auch der Stadtverordnete Yanki Pürsün mit Listenplatz 23. Er könnte nachrücken, wenn künftige FDP-Minister aus dem Kreise der Fraktion ihre Mandate zurückgäben. Die Liberalen rechnen jedenfalls "mit mindestens drei Ministern". Gesetzt sind Fraktionschef Jörg-Uwe Hahn und Ex-Minister Dieter Posch. Aspirantin auf eine dritte Position ist, da waren sich die Frankfurter bislang sicher, ihre Spitzenfrau Nicola Beer.

Und nun würde, so sagen Frankfurter Liberale, "von interessierter Seite gezielt gestreut", Beer habe in Wiesbaden nicht ausreichend Rückhalt, habe den ein oder anderen vor den Kopf gestoßen. Es werde auch auf andere geeignete Frauen verwiesen wie die bildungspolitische Sprecherin der Fraktion, Dorothea Henzler (Hochtaunus). Beer büße dafür, dass Frankfurter im Land nie beliebt seien.

Weil in Frankfurt keiner "Öl ins Feuer gießen will", hält man sich aber sehr bedeckt, die "interessierten Kreise" werden nicht näher benannt. Ein bisschen unangenehm ist auch, dass Beer und der Frankfurter Kreisvorsitzende Dirk Pfeil in der neunköpfigen Verhandlungskommission der FDP sitzen. Da soll es ja zunächst ausschließlich um Inhalte gehen.

Er gehe davon aus, sagt Pfeil am Mittwoch, dass "nach dem zügigen Abarbeiten der Themenschwerpunkte" die stellvertretende Fraktionschefin Nicola Beer "zu den Persönlichkeiten der Liberalen gehöre, die ministrabel seien". Oder "die Fraktion an hervorragender Stelle führen werde". Beer ist wissenschaftspolitische Sprecherin der Fraktion. An ihr komme "keiner vorbei", wenn die FDP das Ministeramt für Wissenschaft und Kunst erhalte, ist der Frankfurter Parteivize und Dezernent Volker Stein sicher. Zu beobachten seien gerade "Verteilungsgeschichten" unter Kreisverbänden. Nicht mehr.

An der "fachlichen und charakterlichen Qualifikation" von Nicola Beer könne es ja "gar keinen Zweifel" geben. Und wenn "Frankfurt im gesamten Kabinett nicht berücksichtigt wird, dann wäre das ein regelrechter Affront".

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Dokument erstellt am 21.01.2009 um 16:52:02 Uhr
Erscheinungsdatum 22.01.2009

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