Gegen kriminelle Jugendliche

Stadt will Haus des Jugendrechts

Von Friederike Tinnappel

Alle Parteien im Römer wollen es: das Haus des Jugendrechts. Polizei, Staatsanwaltschaft und Jugendgerichtshilfe sollen unter einem Dach zusammenarbeiten, um schneller auf jugendliche Straftaten reagieren zu können.

In Ludwigshafen, zum Beispiel, wo es eine solche Einrichtung gibt, dauert es nur 48 Stunden, bis der Jugendliche nach einer Straftat mit Erziehungs- und Arbeitsauflagen konfrontiert wird, berichtete Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU) am Donnerstag im Sozialausschuss. Im Frankfurter Westen könnten bis zu sechs Monate vergehen, bis die Jugendlichen zum Beispiel ein Anti-Gewalt-Training bekommen.

Birkenfeld berichtete von einer Expertenanhörung im Rechtsausschuss des hessischen Landtags am 22. Oktober, die - so der CDU-Stadtverordnete Stephan Siegler - eine sehr erhellende Wirkung gehabt und das Projekt in Frankfurt ein gutes Stück vorangebracht habe. "Wir können gar nicht schnell genug beginnen", meinte Yanki Pürsün (FDP) und wies darauf hin, dass es notwendig sein werde, "mehr Geld in die Hand zu nehmen."

Denn die Erfahrungen, die in Ludwigshafen gemacht wurden, belegen nach Angaben von Birkenfeld eindeutig, dass eine gute Personalausstattung bei allen beteiligten Kooperationspartnern notwendig ist. Die Arbeitsauflagen müssten intensiv begleitet werden, "damit die Jugendlichen wirklich etwas lernen und nicht nur blindlings Stunden ableisten."

Die Dezernentin kann sich gut vorstellen, dass die Straf-Stunden in Sportvereinen geleistet werden, um deren integrativen Kräfte zu nutzen und den Jugendlichen eine soziale Bindung zu ermöglichen. Präventionsangebote wie das Deeskalationstraining an Schulen und in Jugendhäusern sollen ebenso ausgeweitet werden wie die Beratung der Eltern straffälliger Kinder. Außerdem könnte das Haus des Jugendrechts eine Schuldnerberatung für straffällige Heranwachsende einrichten und ein Verkehrssicherheitstraining anbieten - "Sie wissen, dass Jugendliche dazu neigen, etwas schneller zu fahren."

Der Ausschuss-Vorsitzende, Rudi Baumgärtner, erinnerte daran, dass die wirksamste Prävention noch früher ansetzt: "Wir müssen auch daran denken, wie wir die Situation der Jugendlichen verbessern können."

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Dokument erstellt am 31.10.2008 um 00:08:03 Uhr
Letzte Änderung am 31.10.2008 um 14:40:54 Uhr
Erscheinungsdatum 31.10.2008 | Ausgabe: S | Seite: 12

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