Oberrad

Bremsversuche

VON JAN SZYSZKA

An den Kreuzungen rund um die Offenbacher Landstraße in Oberrad sind sie nicht zu übersehen. Die blau-gelb-weißen Plakate prangen fast an jeder Ecke. "Weniger Autoverkehr. Schneller nach Frankfurt und Offenbach" versprechen die Blickfänger, die die seit Jahrzehnten schwelende Diskussion um einen eigenen S-Bahnhalt für Oberrad neu beleben sollen.

Die Ergebnisseder noch bis 30. September laufenden Umfrage zum S-Bahnhalt für Oberrad sollen am Mittwoch, 8. Oktober, um 19 Uhr im Depot, Oberräder Landstraße 357, in einem Bürgergespräch vorgestellt werden.
Verantwortlich für die Aktion sind die vor wenigen Wochen gegründete Bürgerinitiative Projektgruppe S-Bahnstation Oberrad, die Interessengemeinschaft (IG) Neue Wasserhofstraße und die Römerfraktion der FDP. Außer Plakatieren wollen sie den Bürger aber auch direkt ansprechen: Seit Anfang September wurden 5000 Umfragebögen verteilt. Damit soll die Stimmung unter den 12 400 Einwohnern abgefragt werden, wie die Menschen im Stadtteil die S-Bahnfrage sehen. Sollte die Station kommen, wäre der Standort voraussichtlich an der Unterführung Wehrstraße.

Unabhängig vom Ausgang der noch bis Ende des Monats laufenden Befragung sorgt allein die Tatsache, dass dieses Thema derart breit getreten wird, für Ärger. Sowohl der Bürgerverein als auch der Regionalrat Oberrad verurteilen die Idee. "Das Einzige, was die Umfrage bewirkt, ist eine riesige Unruhe im Stadtteil", klagt Günter Jung, Vorsitzender des Bürgervereins. Als "gravierenden Nachteil" empfindet der Verein, dass durch einen S-Bahnhalt die Straßenbahnen wegfalle.

Die ersten Forderungen nach einer S-Bahnstation in Oberrad stammen aus den 70er Jahren.

Der jüngste Vorstoß begann im Januar 2008 mit einer Internetumfrage der IG Neue Wasserhofstraße. 61 Prozent der 782 Teilnehmer stimmten dafür.

Der Ortsbeirat 5 hat im Januar eine Anfrage der CDU für einen eigenen S-Bahn-Anschluss abgelehnt.

Verkehrsdezernent Lutz Sikorski hat sich vor Monaten gegen die Station ausgesprochen. Der Kosten-Nutzen-Faktor sei nicht angemessen.
"Allein zu fragen ,Wollen sie einen S-Bahnhaltepunkt?' und dann mit Ja oder Nein abstimmen zu lassen, ist sachlich und von der Methodik her unredlich."

Nicht gegen die Straßenbahn


Der Sorge, die Straßenbahnlinie würde dann eingestellt, hatte Norbert Karl Scherlitz, einer der Initiatoren der Umfrage, stets widersprochen: "Der Vorschlag richtet sich überhaupt nicht gegen die Straßenbahn. Im Gegenteil. Wir wollen beide Linien unbedingt erhalten: Die S-Bahn soll ein zusätzliches Angebot sein."

Den Bürgerverein und den Regionalrat hat das nicht überzeugt. Ebenso die Oberräder CDU, die damit argumentiert, dass die Fahrgastzahlen in Oberrad nicht für beide Angebote reichen würde. "Die S-Bahnstation wird, so sie denn kommt, über kurz oder lang der Tod der Straßenbahnanbindung sein", sagt Christian Becker, CDU-Vorsitzende in Oberrad. Die vorangetriebene Umfrage bezeichnet er als "groteskes Trauerspiel" und "reinen Aktionismus".

Diese scharfe Ablehnung überrascht: Erst Anfang des Jahres hatte die CDU im Ortsbeirat 5, der auch für Niederrad und Sachsenhausen zuständig ist, sich per Anfrage für eine S-Bahnstation ausgesprochen. Diese würde "den Stadtteil aufwerten und attraktiver machen", heißt es in dem Antrag. Becker hatte als Fraktionsvorsitzender der Christdemokraten selbst dafür gestimmt.

Heute verweist er darauf, dass die Sachsenhäuser Parteifreunde - ohne Abstimmung mit den Oberrädern - gehandelt hätten. "Das ist damals recht unglücklich gelaufen", meint Becker heute und betont, dass die CDU Oberrad mittlerweile eine klare, ablehnende Meinung habe. Was aber die Christdemokraten im Römer nicht hindert, die Sache weiter zu verfolgen: Erst vor wenigen Tagen hat die schwarz-grüne Koalition beschlossen, den Sinn des S-Bahnanschlusses prüfen zu lassen.

Eklat im Ortsbeirat 5


In Oberrad eskaliert derweilen ein parteiinterner Zwist. Becker, zugleich Fraktionsvorsitzender der CDU im Ortsbeirat 5, hat Umfragen-Mitinitiator Norbert Karl Scherlitz, der ebenfalls CDU-Mitglied in Oberrad ist, nahe gelegt, aus der Partei auszutreten. Scherlitz hält davon nichts. Und kontert. "Die CDU Oberrad weist für mich keine klare Linie auf."

Die Römer-FDP treibt derweil die Umfrage voran. Am vergangenen Wochenende hatten die Liberalen per Informationsstand auf dem Buchrainplatz für die Befragung geworben. "Die Resonanz war gut. Viele haben sich dafür ausgesprochen", sagt Christian Hecht. Konkreter will der Büroleiter der FDP-Stadtverordneten-Fraktion nicht werden.

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Dokument erstellt am 24.09.2008 um 14:16:03 Uhr
Letzte Änderung am 24.09.2008 um 14:34:26 Uhr
Erscheinungsdatum 24.09.2008 um 14:16:03 Uhr

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