Ein Haus für das Recht

Modellprojekt soll Jugendkriminalität verringern
VON FRIEDERIKE TINNAPPEL

Ein Dach, aber zwei Türen, darauf legt Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU) bei dem geplanten "Haus des Jugendrechts" besonderen Wert. Am Donnerstag informierte sie im Sozialausschuss über das Projekt, das helfen soll, die Jugendkriminalität zu verringern: Polizei, Staatsanwaltschaft, Jugendgerichtshilfe, Jugendhilfe und freie Träger werden an einem Standort zusammenarbeiten, um "zeitnah" zu reagieren und "Abläufe zu straffen", wie Birkenfeld erklärte.

Geeignete Räume werden jetzt im Stadtteil Höchst gesucht - darauf hat man sich in einer Arbeitsgruppe, die unter der Leitung des hessischen Justizministeriums steht, verständigt. Die zwei Eingänge seien notwendig, weil es für Kinder, Eltern und Jugendliche wichtig sei "zu wissen, wo sie sind - ob bei Polizei und Staatsanwaltschaft oder bei der Jugendhilfe", sagte Birkenfeld.

Konzept mit offenen Fragen


Zuständig sein wird das "Haus des Jugendrechts", das als Modellprojekt startet, für die Familien in Höchst, Nied, Sindlingen, Sossenheim, Unterliederbach und Zeilsheim. Nicht alle Delikte sollen hier behandelt werden. Im Wesentlichen wird sich das Haus auf Sachbeschädigung und Verstöße im Straßenverkehr beschränken. Für Kapital-, Sexual- und Drogendelikte wird es nicht zuständig sein. Viele Fragen zum Konzept seien aber noch offen, räumte Daniela Birkenfeld ein. Alle bisher bekannten Konzepte wie die in Ludwigshafen oder Bad Cannstadt hätten "Vor- und Nachteile".

Aus Sicht der Sozialdezernentin könne nur ein Konzept erfolgreich sein, dass den präventiven Ansatz stärkt. "Das Angebot an sozialen Trainingskursen, Anti-Gewalt-Trainings muss ausgebaut werden."

Dezernentin Birkenfeld bedauerte in diesem Zusammenhang, dass die Landesregierung 2003 die Mittel für diese Aufgaben gekürzt habe. Sie freue sich, dass das Land jetzt eine Unterstützung in Aussicht gestellt habe.

Der FDP-Stadtverordnete Yanki Pürsün stellte klar: "Uns liegt ein solches Projekt sehr am Herzen." Er wünsche sich wie Birkenfeld, dass das Land mehr Geld für die Prävention ausgibt.

Auch Kirchen und Sozialverbände stehen hinter einer solchen Einrichtung, wie sie von Justizminister Jürgen Banzer (CDU) im März diesen Jahres angekündigt worden war. In einem im April vorgelegten Papier hatten der Evangelische Regionalverband, Caritas, der Sportkreis und der Internationale Bund eine Verschärfung des Jugendstrafrechts abgelehnt und eine Verbesserung der Zusammenarbeit aller am Umgang mit straffällig gewordenen Jugendlichen Beteiligten gefordert.
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Dokument erstellt am 21.08.2008 um 22:36:07 Uhr
Erscheinungsdatum 21.08.2008 um 22:36:07 Uhr

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