Schließung des Hauses Spitzingsee

Mit Skiern in den Römer

VON MARTIN MÜLLER-BIALON

Ausflug nach Spitzingsee
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Ausflug nach Spitzingsee (Bild: FR/Mueller)
In der heutigen Sitzung des Römer-Sozialausschusses wird es alpin zugehen. Wie zu erfahren war, wollen einige Bürger in der Sitzung mit Ski-Ausrüstung erscheinen. Sie wollen aufmerksam machen auf das von der Schließung bedrohte Erlebnishaus Spitzingsee in den bayerischen Alpen.

Der Widerstand gegen den Plan von Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU), den Pachtvertrag für das Haus nicht zu verlängern, wächst immer weiter. Inzwischen haben sich dem "Freundeskreis Erlebnishaus Spitzingsee" nach dessen Angaben 200 Personen angeschlossen.

Sie wollen verhindern, dass das 66-Betten-Haus als städtische Ferienstätte aufgegeben wird. Seit 1975 nutzen es Schulklassen und andere Gruppen, die in dem Hochtal ein kostengünstiges Freizeitsportangebot - unter anderem Klettern, Kanu, Skifahren, Wandern - vorfinden. Gleichzeitig ist die Herberge auch für Privatpersonen offen. In den vergangenen Jahren betrug das Defizit des Hauses im Schnitt 300 000 Euro.

In einem Jahr läuft der Pachtvertrag aus. Stadträtin Birkenfeld will auf eine Verlängerung verzichten und das Geld stattdessen in die Förderung von Ferienfreizeiten für einkommensschwache Familien stecken. Der Magistrat hat ihrer Vorlage zugestimmt. Mit direkter Förderung sei das Ziel, Kindern Ferienfreizeiten zu ermöglichen, besser zu erreichen, argumentierte Birkenfelds Referentin Manuela Skotnik.

CDU- und Grünen-Fraktion haben sich dieser Auffassung angeschlossen, stehen damit allerdings im Römer allein. Die Opposition, sogar die FDP als Partner der Koalition, hat Bedenken. Auch in den Ortsbeiräten grummelt es. Der 5er etwa verabschiedete einen Antrag mit allen Fraktionen, in dem es heißt: "Das Erlebnishaus Spitzingsee und dessen Potentiale sind unerlässlich."

Dem Argument, es gebe vergleichbare Häuser, widersprechen Betroffene. So schreibt der Kinderverein Kalbach - Stammgast am Spitzingsee - in einem Brief an Oberbürgermeisterin Petra Roth: "Nach unseren Erfahrungen wird gerade für Großfamilien und Alleinerziehende ein bezahlbarer Urlaub immer schwieriger. Wir stellen immer wieder fest, dass es nahezu unmöglich ist, eine vergleichbar geeignete Unterkunft zu finden."

Die Römer-Mehrheit bleibt dennoch hart. Mit dem Vorschlag des Freundeskreises, den Vertrag zunächst um drei Jahre zu verlängern, mag man sich nicht anfreunden. "Das Defizit ist einfach zu hoch", meint der CDU-Stadtverordnete Stephan Siegler. "Läge es bei 50 000 Euro, dann müssten wir gar nicht diskutieren." Kommentar R4

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Dokument erstellt am 21.01.2009 um 17:04:02 Uhr
Letzte Änderung am 22.01.2009 um 12:28:56 Uhr
Erscheinungsdatum 22.01.2009

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