Wahlpartys in der Stadt

Die Rindswurst schmeckt noch

VON GEORG LEPPERT UND SUSANNE WEGNER

Wahlparty 2009
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Wahlparty 2009 (Bild: FR/Mueller)
Sie wissen es. Sie müssen es einfach wissen. Wie sie grinsen, wie sie feixen, wie sie durch den Römer stolzieren. Schon um kurz vor 18 Uhr durchschreitet die komplette Stadtverordnetenfraktion der FDP das Rathaus. Es ist ein Triumphmarsch. Zwar liegt offiziell noch keine Prognose vor, doch die Liberalen haben längst gehört, dass sie die Sieger des Abends sind. Und so lassen sie sich feiern, der Stadtverordnete Georg Diehl ("So sehen Sieger aus, schalalalala ..."), sein Kollege Yanki Pürsün ("Das ist so gut, ich kann es gar nicht glauben") und Sicherheitsdezernent Volker Stein ("Ehrlichkeit zahlt sich eben aus").

Gelassenheit vor dem Fernseher


Es ist eine vergleichsweise unaufgeregte Wahlparty der Stadt auf dem Flur vor dem Magistratssitzungssaal. Ganz anders als bei der Landtagswahl im vergangenen Jahr. Betont gelassen schauen Kommunalpolitiker, Journalisten und die Mitglieder der Stadtverwaltung auf die Fernsehschirme, auf denen um Punkt 18 Uhr die erste Prognose erscheint. Die SPD stürzt dramatisch ab - hatte jemand etwas anderes erwartet? Gregor Amann, sozialdemokratischer Bundestagsabgeordneter in Frankfurt, hätte es sich zumindest etwas weniger schlimm gewünscht. Er ist blass, schüttelt den Kopf, greift zum Handy.

Die CDU gewinnt kaum etwas dazu. Parteichef Boris Rhein sagt, er sei zufrieden, weil: "Das ist eine breite bürgerliche Mehrheit." Deutlicher wird CDU-Stadtverordneter Jochem Heumann. Ja, klar, er hätte schon auf mehr als 40 Prozent gehofft, sagt der Sachsenhäuser und beißt in eine Rindswurst, "eine vorzügliche Rindswurst, die mir trotzdem schmeckt". Die FDP habe der CDU reichlich Stammwähler geklaut, sagt Heumann. Dumm gelaufen.

Um 18.20 Uhr wird es endlich spannend im Römer. Volle Konzentration auf die Fernsehschirme, absolute Ruhe, ein seit Minuten durch die Gänge waberndes Gerücht bestätigt sich. In Wiesbaden spricht Andrea Ypsilanti. Sie tritt als Partei- und Fraktionschefin der hessischen SPD zurück. Vereinzelter Applaus.

Wer richtig gute Stimmung erleben will, muss in den Presseclub gehen, wo sich die FDP-Anhänger versammelt haben. Dort ist alles quietschgelb: Gelbe Ballons, gelbe Servietten, gelbe Polohemden. Aber man darf ja auch Farbe zeigen - an so einem Abend. Als im Fernsehen Guido Westerwelle redet, wird der Ton bis zum Anschlag aufgedreht. Der Chef der Bundespartei spricht von "Charakterstärke", die vom Wähler belohnt werde, und die Basis grinst wie kleine F-Jugend-Fußballer grinsen, wenn der Trainer sie vor versammelter Mannschaft lobt.

Zufriedenheit im Club Voltaire


Das Kontrastprogramm gibt es im Alten Literaturhaus, wo sich SPD-Anhänger getroffen haben. Um 19 Uhr ist das, was als Party geplant war, schon wieder vorbei. Vermutlich, weil jeder wusste, dass es nichts zu feiern geben würde. Lustlos essen ein paar Sozis was vom Buffet, auf einer Leinwand sind Wahlergebnisse aus dem Internet nachzulesen. Einige Ungläubige stehen davor, vergleichen die Resultate auf verschiedenen Websites. Besser wird das SPD-Ergebnis dadurch nicht.

Zufriedenheit herrscht dagegen im Club Voltaire, Hochburg der Linken. "Wir sind wieder drin", sagt Manfred Vogel, Anhänger der Linkspartei, der seit Jahrzehnten jeden Wahlabend in der Gaststätte in der Kleinen Hochstraße verbringt. In den kommenden Jahren könnten die Linken Roland Koch "kräftig ärgern". Darauf einen großen Schluck Bier.

Derweil leert sich der Römer. Noch einmal kommt Stimmung auf, als die Ergebnisse aus den sechs Frankfurter Wahlkreisen erscheinen. OB Petra Roth klatscht, Boris Rhein ballt die Faust, die siegreichen Direktkandidaten versammeln sich zum Gruppenfoto.

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Dokument erstellt am 18.01.2009 um 21:44:02 Uhr
Letzte Änderung am 18.01.2009 um 23:15:19 Uhr
Erscheinungsdatum 18.01.2009

URL: http://www.fr-online.de/frankfurt_und_hessen/nachrichten/frankfurt/?em_cnt=1661629&em_loc=1706