Wahlkampf 2009 - Wahlkreis 37 (Teil IV)

Rutschpartie mit Nebengeräusch

VON MARTIN MÜLLER-BIALON

Was steht im Mittelpunkt in diesen Tagen im Wahlkreis 37? Was bewegt die Menschen wirklich? Na klar: Schlittschuh laufen. Wo kann man das besser als am Jacoby-Weiher. Der "Vierwaldstätter See" am Oberforsthaus bietet beste Bedingungen zum Eislaufen in idyllischer Umgebung und mit gemütlicher Einkehrmöglichkeit. Zumindest am ersten Sonntag des Jahres war an dem Weiher im Stadtwald der Teufel los. Das Eis nach kalten und windstillen Nächten glatt wie poliert, die Temperaturen optimal.

Wahlplakate ohne Flughafen


Das Grünflächenamt lässt da auch mal Fünfe gerade sein. "Wir erlauben es nicht, verbieten es aber auch nicht", heißt es dort. Wer also auf das Eis-Vergnügen am Jacoby-Weiher nicht verzichten will, tut dies auf eigene Gefahr, braucht aber auch kein Bußgeld zu fürchten.

Wahlkreis 37
Oberrad, Sachsenhausen-Nord, Sachsenhausen-Süd (mit Flughafen), Niederrad, Schwanheim

Wahlberechtigte: 68.500 Bürger

Weitere Kandidaten: Christian Müller (NPD), Michael Münch (Republikaner), Wolf-Reiner Ruppert (parteilos).

Im Januar 2008 holte Christdemokrat Michael Boddenberg mit 38,7 Prozent der Erststimmen das Direktmandat, er büßte im Vergleich zur Wahl 2003 aber 9,6 Prozentpunkte ein.
Es mag einige gegeben haben, die während der Rutschpartie auch mal nach oben geschaut haben. Direkt über den Weiher donnern nämlich die Flugzeuge im Anflug auf den Rhein-Main-Airport hinweg. Da kann es für kurze Momente ziemlich laut werden.

Damit wären die beiden wichtigsten Themen in den Stadtteilen südlich des Mains umschrieben: Fluglärm und Naherholung. Der Stadtwald ist mit seinen 5000 Hektar der größte innerstädtische Forst bundesweit. Und gleichzeitig wichtige Frischluftquelle sowie mit seinen Spazierwegen und fünf Waldspielparks das bedeutendste Erholungsgebiet der Stadt. Es geht ihm nicht gut. Laut jüngstem Waldschadensbericht, den Umweltdezernentin Manuela Rottmann im Oktober vorstellte, leiden 75 Prozent der Bäume sichtbar unter Umweltstress. Fast die Hälfte der Bäume zeigte "bedenkliche Blatt- und Nadelverluste".

Größer können Gegensätze kaum sein: Direkt an den Stadtwald grenzt der Flughafen, der im Wahlamt als eigener Stadtbezirk gilt. 218 Menschen sind dort mit erstem Wohnsitz gemeldet. Der Airport generiert massive Umweltprobleme, schafft aber eben auch die meisten Jobs in Rhein-Main. Der geplante Ausbau, der in diesen Tagen mit der Rodung des Kelsterbacher Waldes beginnt, war bei den vergangenen Landtagswahlen stets wichtigstes Thema. Diesmal scheint das anders zu sein. Auf den Wahlplakaten ist jedenfalls davon keine Rede (mehr).

Kaum Industrie


Es sind andere Themen, die die insgesamt 111 000 Menschen in den vier Stadtteilen umtreiben. Bildung zum Beispiel. Allein 20 Schulen gibt es im mit knapp 56 000 Einwohnern größten Frankfurter Stadtteil, Sachsenhausen. Abgesehen von Problemsiedlungen wie Heisenrath oder Mainfeld ist der Wahlkreis eher bürgerlich geprägt, Industriestandorte gibt es - vom Flughafen abgesehen - keine. Auch das Nobelviertel Lerchesberg gehört dazu - obwohl auch von dort schon einige ihre Villen wegen des Fluglärms verkauft haben.

[ document info ]
Copyright © FR-online.de 2009
Dokument erstellt am 08.01.2009 um 00:08:03 Uhr
Letzte Änderung am 08.01.2009 um 15:51:28 Uhr
Erscheinungsdatum 08.01.2009 | Ausgabe: R2NO | Seite: 8

URL: http://www.fr-online.de/frankfurt_und_hessen/nachrichten/frankfurt/?em_cnt=1656099&em_loc=1706