Prekäre Jugendhilfe

Die Resozialisierung minderjähriger Straftäter krankt am Geld
VON SUSANNE SCHMIDT-LÜER

Städtische Unterstützung für die Resozialisierung jugendlicher Straftäter mahnt die FDP-Fraktion im Römer an. Sie erinnert daran, wie wichtig es ist, "dass zwischen Tat und Teilnahme an einem Kurs nur wenig Zeit vergeht".

In der Tat spricht auch Carola Kubetz, Geschäftsführerin des Vereins Kinder- und Jugendhilfe Frankfurt, von einer "prekären" Situation. Denn Jugendliche, die beispielsweise wegen Körperverletzung, räuberischer Erpressung oder Eigentumsdelikten vor Gericht stehen, müssen oft drei Monate auf die richterliche Anordnung warten, an einem Kurs der ambulanten Jugendhilfe teilzunehmen. Dann vergehen manchmal erneut drei Monate oder mehr, bis sie einen Platz in einem der Trainingsangebote des Vereins, sei es einWochenendseminar oder ein Kunstprojekt, erhalten. Bis dahin ist "oft zu viel Zeit vergangen", sagt Kubetz.

Eine Ursache für die zeitliche Verzögerung ist eine länger zurückliegende Entscheidung der CDU-geführten Landesregierung: Sie strich dem Verein seit 2004 die Zuschüsse, auf einen Schlag klaffte ein Loch von 55 300 Euro im Etat. Die Anzahl junger Menschen, die dem Verein für gerichtlich angeordnete Maßnahmen zugeführt wurden, stieg jedoch von 285 im Jahr 2001 auf 477 sechs Jahre später. Junge Straffällige aus dem Main-Taunus-Kreis sind darin eingerechnet. Aufs Frankfurter Stadtgebiet bezogen stieg die Zahl der Zuweisungen 2007 auf 336.

Die Stadt reagierte auf die dünne Personaldecke, die zu Wartelisten und zwischendurch sogar zu einem Zuweisungsstopp führte: Sie erhöhte ihre Zuschüsse von 169 000 Euro 2006 um zehn Prozent auf 186 000 Euro.

Der Verein beantragte für das laufende Jahr erneut eine Erhöhung des städtischen Zuschusses um zehn Prozent auf 204 000 Euro. Der Jugendhilfeausschuss wird darüber voraussichtlich im Oktober entscheiden heißt es in der Antwort auf die FDP-Anfrage. Der Verein Kinder- und Jugendhilfe wurde1975 von der Jugendgerichtshilfe gegründet. Er kümmert sich um strafmündige Jugendliche und Heranwachsende zwischen 14 und 21 Jahren, ihr Durchschnittsalter liegt bei 17,5 Jahren.

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Dokument erstellt am 24.09.2008 um 19:12:02 Uhr
Erscheinungsdatum 25.09.2008

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