20.02.2006
Integration und Multi-Kulti
Von Susanne Krejcik

Karben. „In Frankfurt hat das Thema Immigration und Integration andere Dimensionen als in Karben und der Wetterau“, sagte Yanki Pürsün, FDP-Stadtverordneter aus Frankfurt. In der Stadt mit rund 180 000 Migranten beschäftige sich nahezu jedes Amt mit dem Thema. „Wir als FDP sind froh, dass es das Amt für multikulturelle Angelegenheiten gibt, das mit Experten besetzt ist und oftmals die Rolle des Vermittlers einnimmt.“

Frankfurt habe wegen der hohen Zahl der Migranten bundesweit Vorbildfunktion, andere Kommunen informierten sich über die Effektivität der Integrationsmaßnahmen. Auf Einladung der FDP-Ortsverbände Bad Vilbel und Karben sprach Pürsün – Mitglied des Ausschusses Immigration und Integration – über „Integration und Bildung in Kindergarten und Schule“, wobei er eher allgemein geeignete Maßnahmen thematisierte als einzelne Programme zu erläutern.

Frankfurt habe bereits „Sprach- und Orientierungskurse“ angeboten, noch bevor das Thema auf Bundes- und Länderebene aktuell geworden sei. In diesen Kursen habe man im Alltag relevante Fragen wie „Wo melde ich meinen Strom an?“ oder „Wie funktioniert die Mülltrennung?“ mit Migranten an Ort und Stelle geübt.

Der in Deutschland geborene FDP-Politiker, dessen Eltern aus der Türkei stammen, plädierte dafür, den Kommunen in der Sprachförderung mehr Freiraum zu gewähren. Trotz der hohen Zahl ausländischer Bürger gebe es in Frankfurt ein friedliches Miteinander, es herrsche auch „kein großer Parteienstreit über diese Fragen“. Jedoch seien die Schwierigkeiten zwischen Nachbarn nicht zu unterschätzen – für ihn eine hausgemachte Problematik, die ihre Ursache im Sozialen Wohnungsbau habe.

Es sei schwierig, wenn ausschließlich Menschen mit problematischer Sozialstruktur in einem Stadtteil wohnten und dort keine gemischte Bevölkerungsstruktur existiere. Die FDP halte es für günstiger, bedürftigen Personen Wohngeld zu zahlen und ihnen die freie Wahl ihrer Wohnung zu überlassen als in Sozialen Wohnungsbau zu investieren.

Da es in den meisten ausländischen Familien die Mütter seien, die tagsüber mit den Kindern zusammen sind, sei es außerordentlich wichtig, dass sie deutsch sprechen könnten. Man müsse versuchen, diese Frauen zu erreichen, indem man auf sie zugehe und sie dort abhole, wo ihre Interessensgebiete liegen, etwa in gemeinsamen Kochkursen.