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Höhere Auflagen führen zu ersten Absagen: Zu hoher Aufwand: Frankfurter Feste gefährdet

Die verstärkten Auflagen, mit denen Vereine und Vereinsringe als Betreiber von Straßenfesten zu kämpfen haben, ziehen Kreise. Und es gibt erste Absagen: In diesem Jahr wird das Leipziger Straßenfest nicht stattfinden. Die Betreiber vom Gewerbeverein „Bockenheim Aktiv“ beklagen zu hohen Aufwand. Die Bahnhofsviertelnacht wird mit der Unterstützung der Tourismus- und Congress GmbH gestemmt.
Nicht mehr gestattet: Die Höchster Schlossterrasse darf seit 2012 nicht mehr für eintrittsfreie Massenveranstaltungen beim Schlossfest genutzt werden, weil der Fluchtweg durchs Schlosstor ein Nadelöhr ist. Bilder > Foto: Maik Reuß Nicht mehr gestattet: Die Höchster Schlossterrasse darf seit 2012 nicht mehr für eintrittsfreie Massenveranstaltungen beim Schlossfest genutzt werden, weil der Fluchtweg durchs Schlosstor ein Nadelöhr ist.
Frankfurt. 

Die Bahnhofsviertelnacht glaubt Oberbürgermeister Feldmann in trockenen Tüchern: Nachdem das Presse- und Informationsamt der Stadt als ursprünglicher Veranstalter die Nacht wegen des überbordenden Besucherandrangs und der damit gestiegenen Sicherheitsauflagen in den kalten November verlegen wollte, sprach der OB ein Machtwort – und stellte dem Presse- und Informationsamt jetzt die in Großveranstaltungen erfahrene Tourismus- und Congress GmbH an die Seite. Stattfinden soll die Nacht nun am 8. September. „Aufgrund der gewachsenen logistischen Herausforderungen ist die Tourismus- und Congress GmbH jetzt der Veranstalter“, teilt Feldmann mit. Sie bringe ihre Expertise bei der Logistik von Großveranstaltungen und Straßenfesten ein. Das inhaltliche Programm obliege wie gewohnt dem Presse- und Informationsamt in enger Abstimmung mit den Akteuren aus dem Stadtteil.

Überbordende Bürokratie

Anderswo geht es nicht so einfach, den Veranstalter auszutauschen – nämlich dort, wo Ehrenamtliche anpacken. Wenn auf der Leipziger Straße in den vergangenen Jahren gefeiert wurde, kamen die Menschen in Scharen: Rund 20 000 freuten sich im vorigen Spätsommer über viel Musik, exotisches Essen, Infostände und Mitmach-Aktionen. In diesem September allerdings wird es kein Straßenfest geben: Der Vorstand des Gewerbevereins „Bockenheim Aktiv“, der das Fest neun Jahre lang auf die Beine stellte, fühlt sich mit dem Aufwand überlastet.

„Wir haben schon im letzten Sommer entschieden, dass wir für die Organisation 2016 nicht zur Verfügung stehen“, erklärt Holger Wessendorf, Vereinsvorsitzender und Geschäftsführer der Frankfurter Turn- und Sport-Gemeinschaft 1847. Das Fest habe sich zwar sehr positiv entwickelt, „ließ sich aber nicht mehr mit der ehrenamtlichen Arbeit und der Verantwortung für unsere Berufe, Geschäftstätigkeiten und Familien vereinbaren. Das ist alles in Mitleidenschaft gezogen worden“. Die Fülle an Aufgaben zwischen Februar und September war demnach nicht mehr mit einem fünfköpfigen Team zu leisten: Konzeption, Sponsorensuche, Plakatwerbung, eigenhändiges Besorgen und Verlegen von Wasser- und Stromkabeln, Koordination der Standbetreiber, Musiker, Sicherheits- und Sanitätsdienste, Müllbeseitigung, Feuerwehrzufahrten — Wessendorf und Routisseau waren sogar per Maßband unterwegs, um die Standbreite jeweils nach Auflagen der Stadt zu gewährleisten. Und das heißt: viel Bürokratie, viel Aufwand.

Rechtliche Fragen klären

Im Frankfurter Westen hat jüngst der Hilferuf der Organisatoren des Höchster Schlossfests sowie des Vereinsrings Zeilsheim aufhorchen lassen. Claus Cromm, stellvertretender Vorsitzender des Vereinsrings Höchst, hatte Feldmann um Unterstützung gebeten: Denn: „Wenn man bei einem Gespräch bei der Branddirektion ein paar Tage vor seiner Veranstaltung gesagt bekommt, man müsse sein Straßenfest nach den Sicherheitsrichtlinien des Hessischen Innenministeriums für Großveranstaltungen beurteilen und die Gefahrenlage abschätzen und dieses dann einmal gelesen hat, vergeht einem schnell die Lust, sich weiterhin ehrenamtlich zu engagieren. Hier geht es einzig darum, Verantwortung auf den Veranstalter zu übertragen!“

Von Professionellen könne das eventuell noch geleistet werden, so Cromm, „aber ehrenamtlich sehe ich hier keine Chance, diese Forderungen ohne eine kostenneutrale, von den genehmigenden Behörden unterstützte Begleitung erfüllen zu können“. Außerdem sei eine umfassende juristische Beratung der ehrenamtlich tätigen Verantwortungsträger dringend erforderlich. Es bestehe dringender Handlungsbedarf, bevor noch mehr Stadtteilfeste abgesagt werden.

Auch Thomas Meder, bis zu diesem Jahr zehn Jahre lang Vorsitzender des Höchster Vereinsrings, hat beobachtet, wie die Vorgaben immer strikter wurden, besonders nach dem Unglück bei der „Loveparade“ in Duisburg: „2012 ging es mit neuen Hürden los. Das Schlossfest ,durfte‘ aus Sicherheitsgründen – kurz vor Beginn – in den Brüningpark ,umgeplant‘ werden. Eine Aufgabe, die das Team mit Unterstützung durch die Stadt Frankfurt vorbildlich gemeistert hat. Bis jetzt zeigte sich, dass die Sicherheitsanforderung durch Ehrenamtliche gerade noch leistbar ist. Die neue Struktur des Sicherheitskonzepts liegt meines Erachtens nicht nur aus Kostengründen außerhalb der Machbarkeit für ehrenamtlich tätige Bürger“, so Meder. Das Konzept könnte das Ende von Bürgerfesten wie dem Höchster Schlossfest einleiten.

Auch das Museumsuferfest, das von der städtischen Tourismus- und Congress GmbH (TCF) organisiert wird, leidet unter den Auflagen: Zwei der beliebtesten Schauplätze sind schon den verschärften Sicherheitsauflagen zum Opfer gefallen: In den Parks des Museum Angewandte Kunst und des Weltkulturen Museums gibt es keine Musikbühnen mehr. Verschärfte Sicherheitsauflagen haben dazu geführt, dass die Kosten des Festes im vorigen Jahr deutlich über die bisherige Summe von 500 000 Euro gestiegen sind. Das Fest zieht zwei Millionen Besucher an.

Das nötige Geld für städtische Feste wie die Bahnhofsviertelnacht oder das Museumsuferfest muss die neue Koalition aus CDU, SPD und Grünen bereitstellen – so will es zumindest Feldmann. Doch einfach Geld bereitstellen – das geht bei privaten Organisatoren wie Vereinen oder Vereinsringen nicht. Im für Höchst zuständigen Ortsbeirat 6 (Frankfurter Westen) gibt es bereits eine erste politische Initiative, die Überforderung der Vereine und Vereinsringe auf parlamentarischem Weg anzugehen: Ortsbeirat Bernd Bauschmann (CDU), ehemaliger Vorsitzender des Vereinsrings Zeilsheim, fordert den Magistrat auf, die Vereine bei der Organisation von Veranstaltungen „noch besser zu unterstützen und nicht mit Auflagen zu überfordern, die ehrenamtliches Engagement in der Stadt Frankfurt erheblich einschränken und die Durchführung von traditionsreichen Veranstaltungen gefährden.“ Sollte an aktuell gültigen Auflagen festhalten werden, so müssten geeignete, für Vereine kostenfreie Unterstützungsmaßnahmen angeboten werden, fordert Bauschmann. Das städtische Service-Center Veranstaltungen, das bereits heute eine wichtige Schnittstellenfunktion erfülle, müsse in diesem Fall personell aufgestockt werden und die Aufgaben in enger Abstimmung mit den Ehrenamtlichen vor Ort übernehmen. Bauschmanns Antrag wird von der CDU-Arbeitsgemeinschaft West (Arge West) unterstützt. Deren Vorsitzender Uwe Serke, Mitglied des Landtags, sagt: „Viele der Vereinsaktiven sind ohnehin seit Jahren ehrenamtlich aktiv, haben große Erfahrung und gehen verantwortungsvoll mit dem Thema Sicherheit bei Veranstaltungen um.“

Auch der FDP-Stadtverordnete Yanki Pürsün hat das Thema für sich entdeckt und will vom Magistrat wissen, wie der die Klagen des Vereinsrings Höchst bewertet und wie er Vereine bei der Organisation von Veranstaltungen – insbesondere bei sicherheitsrelevanten Fragen – unterstützen will.

Kommentar: Stadtteilfeste müssen unterstützt werden

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clearing
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