16.09.2005
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Oberrad. Die Post wird nur einmal in der Woche ausgeliefert. Das erscheint in unseren Breitengraden kaum vorstellbar. In der Wasserhofstraße in Oberrad ist dies bittere Wirklichkeit geworden. Die Post selbst kann dafür allerdings nichts. «Die Stadt hat den nördlichen Teil der historischen Wasserhofstraße über Nacht in Deutschherrnufer, den südlichen Teil in Richtung Bahnhof zur Wehrstraße erklärt», empört sich Norbert Scherlitz (CDU) von der Interessengemeinschaft (IG) Neue Wasserhofstraße.

Nun wohnt Jose Castillo, Anwohner des Wasserhofes, nicht mehr in der Wasserhofstraße 86, sondern am Deutschherrnufer 86. Damit hat er es allerdings noch ganz gut getroffen, denn um das Chaos noch unübersichtlicher zu gestalten, gab’s im südlichen Teil zur Umbenennung auch gleich noch neue Hausnummern gratis dazu.

Die Anwohner des alten Oberräder Bahnhofs wohnen statt in der Wasserhofstraße 82 nun in der Wehrstraße 42. Einige Tage später flatterte dann ein Umbenennungsschreiben der Stadt ins Haus, dass die Anwohner über den neuen Zustand informierte, ihn aber nicht erklärte.

Nach Ansicht der Anwohner ist diese Aktion «völlig unmotiviert» geschehen. «Nach dem Bau des neuen Bahnhofs hatte sich das Straßenbild der historischen Wasserhofstraße verändert. Ihr Verlauf war nicht mehr klar erkennbar», erläutert der Stadtverordnete Yanki Pürsün (FDP). Selbst das Navigationssystem habe sich im nördlichen Bereich der Straße nicht mehr zurechtgefunden und dem Fahrer mitgeteilt, er befände sich in der Wehrstraße – beide Straßen laufen unterhalb der Bahnlinie zum Deutschherrnufer zusammen.

Deshalb habe Pürsün im Stadtparlament einen Antrag eingereicht, den nördlichen Teil der Wasserhofstraße in Wehrstraße umzubenennen, dem historischen Wasserhof endlich ein gescheites Straßenschild zu gewähren – dort hing bis dato ein Blechschild – und den historischen Verlauf der Straße bis zum Bahnhof hin durchzunummerieren. «Zunächst einmal hat das Parlament den Antrag abgelehnt, weil sie ihn nicht verstanden haben», so Pürsün. «Später dann wurde dem Vorschlag Folge geleistet.» Und die Welt war für kurze Zeit wirklich in Ordnung, als Wasserhof und Oberräder Bahnhof endlich ein Straßenschild bekam und der Teil nördlich des Wasserhofes in Wehrstraße umbenannt wurde.

Dann jedoch verschwanden die neuen Schilder. «Keiner bei der Stadt konnte hierzu Auskunft geben», sagt Scherlitz, der den geheimnisvollen Vorgängen auf den Grund gehen wollte. «Zum Ende hin haben die Zuständigen sogar behauptet, Witzbolde hätten die Schilder abgeschraubt, um sie sich in den Partykeller zu stellen.» Einige Wochen später jedoch brachte die Stadt zwei neue Straßenschilder an. So wurde aus dem nördlichen Teil der Wasserhofstraße, sprich Wehrstraße sowie dem historischen Wasserhof selbst das Deutschherrnufer und der Oberräder Bahnhof steht nun ebenfalls an der Wehrstraße.

Aber die Stadt erklärt dies nicht, was Pürsün und Scherlitz gleichermaßen kritisieren. Einige Anwohner wollen beobachtet haben, wie die Stadt die zwei neuen und allgemein akzeptierten Wasserhofstraßenschilder selbst wieder abmontiert habe. Keiner der Anwohner wolle am Deutschherrnufer wohnen. Nun sei die Stadt gefragt, den Vorgang aufzuklären, so Scherlitz. Dort war niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. (kim)