14.02.2005
Erneut Streit ums Bürgerhaus
Niederrad. Der Wunsch nach einem Bürger- und Kulturzentrum für Niederrad sorgt im zuständigen Ortsbeirat 5 (Niederrad, Oberrad, Sachsenhausen) bereits seit Jahren für Diskussionen. Und auch beim jüngsten Vorstoß von Heiko Henning (CDU) wurden sich die Vertreter der verschiedenen Fraktionen nicht einig. Auf Drängen der SPD wurde die Abstimmung über den Eilantrag des CDU-Politikers auf die nächste Sitzung verschoben.

In dem Papier hatte Heiko Henning den Magistrat zu einem Grundstückstausch mit dem Evangelischen Regionalverband aufgefordert. Das brach liegende evangelische Gemeindezentrum im Mainfeld sollte gegen ein städtisches Grundstück eingetauscht werden, um in dem Gebäude für die Bewohner des Stadtteils einen «Minimalersatz für das fehlende Bürgerhaus» zu schaffen. Die Liegenschaft könnte von einem Niederräder Trägerverein gemeinnützig verwaltet und betrieben werden, so der Vorschlag von Heiko Henning. Ralf Heider (SPD) aber forderte, den Antrag um eine Runde zu schieben, schließlich bestehe noch die Möglichkeit, das Bürgerhaus auf dem dafür einst vorgesehenen Grundstück zwischen Trift- und Goldsteinstraße zu realisieren. «Die Fraktionen von Grünen und SPD in der Stadtverordnetenversammlung haben im Dezember vergangenen Jahres angeregt, den bestehenden Bürgertreff dort zu erweitern und Wohnungen auf dem Gelände zu bauen.» Die Antwort des Magistrats erfolge im März. Bis dahin müsse der Ortsbeirat abwarten, sonst sende er falsche Signale. «Ihr Antrag steht den laufenden Prozessen entgegen. Außerdem ist die Situation nicht akut», argumentierte Ralf Heider. Heiko Henning hielt dem entgegen, dass es bereits in drei Wochen zu spät sein könne. «Der evangelische Regionalverband ist daran interessiert, das Gebäude wieder einem gemeinnützigen Zweck zu übergeben. Sie wollen finanziell nur nicht schlechter gestellt werden.» Wenn sich das Gremium jetzt nicht entscheide, werde das Gebäude womöglich abgerissen. Mit seinem Antrag wolle er die Chance auf einen Grundstückstausch erhalten. Wenn das andere Vorhaben dann auch abgelehnt werde, hätten sie gar nichts. «Sie bauen sich ein Wolkenkuckucksnest», warf er der SPD-Fraktion vor. Der stellvertretende Ortsvorsteher Ulrich Heymach (SPD) konnte sich nicht vorstellen, dass das Gemeindehaus in drei Wochen zum Abriss frei gegeben werde. «Die Erweiterung des Bürgertreffs in der Goldsteinstraße ist die sinnvollste Lösung. Und wenn es diese Chance gibt, will ich sie auch nutzen.» Stadtverordneter Yanki Pürsün (FDP) warnte die Ortsbeiratsmitglieder davor, jetzt keinen Fehler zu machen. «Ich sehe hier eine große Gefahr. Wir dürfen dem Magistrat nicht suggerieren, dass wir selbst nicht wissen, was wir wollen.» Im Römer warteten sie doch nur darauf, solche Stadtteilprojekte abzuhaken.

Das Zeitargument ließ auch der FDP-Politiker nicht gelten. «Wenn der evangelische Regionalrat das Haus wirklich abreißen und das Gelände verkaufen will, ist es jetzt ohnehin schon zu spät.» Und so folgte die Mehrheit schließlich dem Appell von Ortsvorsteher Hans-Günter Joras (CDU). «Auch ein Eilantrag kann erst in drei Monaten beantwortet werden. Wir sollten also Vernunft walten lassen und schieben», forderte der CDU-Politiker. Diesem Antrag stimmten dann auch fast alle Abgeordneten zu. Lediglich Peter Kronenberger (CDU) enthielt sich der Stimme, Erhard Römer (BFF) wollte nicht verschieben. Seine Entscheidung begründete er so: «Mir ist der Spatz in der Hand immer noch lieber als die Taube auf dem Dach.»

Vertreter der Niederräder Volksbühne und des Kulturellen Fördervereins Niederrad, die sich noch in der Bürgerfragestunde für den Antrag von Heiko Henning ausgesprochen hatten, nahmen die Entscheidung mit gemischten Gefühlen entgegen. Ein Vertreter der Volksbühne warf dem Gremium vor, die Möglichkeit in absehbarer Zeit einen Treffpunkt zu schaffen, im Keim zu ersticken. Und auch Wolfgang Bocksch, Schriftführer des Kulturellen Fördervereins, blieb skeptisch. «Ich hoffe, die Zeit wird jetzt nicht zu knapp. Aber sonst können wir mit der Entscheidung leben.» Sie würden aber dennoch jedes weitere Vorgehen des Ortsbeirates und der Stadt kritisch beäugen. (kan)