13.01.2005
Zweite Piste im Wald entdeckt
Von Bernd Diefenbach



Mörfelden-Walldorf. Museumsleiterin Cornelia Rühlig hat im ehemaligen KZ-Außenlager Walldorf eine erstaunliche Entdeckung gemacht: 1944 wurde hier innerhalb von zwölf Wochen ein Parallelbahn-System für den Flughafen gebaut. Die 1700 ungarischen jüdischen Frauen, die damals im KZ-Außenlager Zwangsarbeit leisten mussten, haben die Landebahn in einer unglaublich kurzen Zeit fertig gestellt. «Das war eine enorme Leistung», betonte Rühlig. Diese anstrengende Arbeit der jüdischen Frauen sei bisher überhaupt noch nicht gewürdigt worden. Unfreiwillig hätten die Frauen damals Beachtliches geschafft. Nun soll endlich auch dieser Bau aufgearbeitet werden.

Rühlig war sehr überrascht über die Entdeckung. Bisher war immer nur von einer betonierten Rollbahn die Rede. Doch auf alten Karten fand sie ein Parallelbahn-System. Letztlich sind für die Bahnen, die miteinander verbunden waren, zwei Schneisen von Bedeutung. Die Bornschneise im südlichen Teil war 1300 Meter, die Hohewartschneise im nördlichen Teil zirka 800 Meter lang.

Heute ist die Fläche bereits komplett zugewachsen. Doch das Vegetationsbild stimmt mit dem Luftbild überein. Die Jahresringe der Bäume verraten es. Die Bäume, welche die ehemaligen Rollbahnen säumen und auf den einstmaligen Parkbuchten wachsen, sind jünger als die Bäume im restlichen Waldgebiet. Vor allem in der Bornschneise ist die Rollbahn noch wegen der übrig gebliebenen Betonreste deutlich zu erkennen.

Weil die Museumschefin vor allem an Studien in der Bornschneise interessiert ist, schrieb sie die Fraport an, die Eigentümerin des Geländes ist. Rühlig fragte auch beim Kampfmittelräumdienst (KMRD) nach. Inzwischen hat sie sowohl eine Genehmigung vom KMRD als auch der Fraport, um auf dem Gelände weiter zu forschen.

Am Samstag, 22. Januar, 9 Uhr, beginnen die Arbeiten in der Nähe des Radarturms. Rühlig hofft auf 35 ehrenamtliche Helfer. Die Freiwilligen sollen sich im Museum melden. Gegen 12 Uhr wird die KZ-Überlebende Magda Holländer-La Fon, die im Vorjahr im Außenlager erstmals zu Gast war, erwartet. Auch das französische Fernsehen hat zugesagt zu kommen.

Für Montag, 24. Januar, sind Radarmessungen geplant, dann soll die ursprüngliche Breite der Bahnen ermittelt werden. Laut Rühlig ist es aber nur theoretisch möglich, dass bei den Radarmessungen Details gefunden werden, wie etwa Konservendosen.