31.01.2012

Grünstreifen als Müllkippe

Ein zerschlagener Bildschirm, Müllsäcke, Klamotten: Kaum geräumt, ist der Platz wieder vermüllt. F: seu

Von Mirco Overländer

Etwa 4000 Quadratmeter groß ist das brachliegende Gelände, das sich zwischen Wehr- und Gerbermühlstraße entlang der Eisenbahnschienen Richtung Offenbach erstreckt. Bereits vor zehn Monaten berichtete diese Zeitung, dass Obdachlose und Mülltouristen das schwer einsehbare Gelände gerne als Schrottplatz oder Lagerstätte missbrauchen. Die Stadt versicherte infolge der Berichterstattung, dass man das Gelände regelmäßig kontrollieren werde. Doch kein Jahr später hat sich wenig getan. Wenn überhaupt, dann ist eher eine Verschlechterung des Ist-Zustands eingetreten.

"Auf dem Gelände gibt es noch immer sehr viele Beschwerden wegen des Mülls, der dort abgeladen wird", sagt Peter Postleb, der Leiter der Stabstelle sauberes Frankfurt. Postleb zufolge sei die Grundstückssituation recht problematisch, da das weitläufige Gelände verschiedenen städtischen wie privaten Eigentümern gehöre. "Inzwischen zieht sich das sogar hoch bis zur Offenbacher Gemarkung", hat Postleb beobachtet. Erst vor zwei Wochen sei ein Trupp der FES ausgeschickt worden, um ein Zelt mit fünf Matratzen zu entsorgen. Wenn man ein Loch zumacht, geht ein anderes gleich wieder auf", klagt der Stabsstellenleiter. Postleb vermutet, dass semiprofessionelle Schrotthändler das Gelände mit ganzen Fuhren alter Autoreifen und Elektro-Schrott verschandeln.

Saftige Geldstrafen



Postlebs Theorie hält auch das städtische Ordnungsamt für glaubwürdig. Einzig die Beweiserbringung gestalte sich schwierig. "Die Kollegen der Stadtpolizei haben das Areal dauerhaft in ihre Streife aufgenommen", sagt Ordnungsamts-Sprecher Ralph Rohr. Doch: . Es sei äußerst schwierig, den Schmutzfinken das Handwerk zu legen, da hierzu eigentlich eine dauerhafte Überwachung des Geländes notwendig wäre. Sollte einer der Müllpiraten auf frischer Tat erwischt werden, droht ihm eine saftige Geldstrafe: Das Bußgeld für die Ablagerung von Müll beginnt bei 200 Euro. Der genaue Betrag hängt von der Menge des abgeladenen Unrats ab. Einem Wiederholungstäter, der unter Verdacht steht, den Schrott gewerbsmäßig zu entsorgen, droht gar eine Geldstrafe von bis zu 50 000 Euro.

Das Müllproblem ist auch für Gabriele Dehmer, die Leiterin des Amts für Straßenbau und Erschließung (ASE), von Bedeutung. Denn dem ASE gehören weite Teile des auf Frankfurter Seite liegenden Geländes: Das ASE habe sich schon vor einiger Zeit mit dem Grünflächenamt auf eine regelmäßige Pflege geeinigt. "Nachdem sich das recht schwierig gestaltete, haben wir beschlossen, alle drei Wochen jemanden zur Kontrolle rauszuschicken", sagt Dehmer als Reaktion auf den neuesten Müllfund. Dehmer ist indes froh, dass besagtes Gelände derzeit die einzige im Besitz des ASE befindliche Fläche sei, die von Mülltourismus heimgesucht werde. "Vor einigen Jahren hatten wir im Baubezirk Nord einen Bauhof, der von Osteuropäern heimgesucht hatte", entsinnt sich die Amtsleiterin. Doch dieses Problem sei inzwischen vom Tisch.

Kaum Aussicht auf Abhilfe



Trotz aller Recherchen und Bemühungen der zuständigen Behörden fürchtet Peter Postleb, dass ihn die Problematik noch eine ganze Zeit verfolgen werde: "Wir werden da dran bleiben. Parallel ist auch die Umweltgruppe der Stadtpolizei dabei, dem Müllproblem nachzugehen", sagt Postleb. Doch die Erfahrung lehre leider, dass kaum ein halbwegs professioneller Mülltourist so töricht ist, solchen Abfall zu entsorgen, der Rückschlüsse auf seine Herkunft ermöglicht. Und Peter Postleb ist felsenfest davon überzeugt, dass "da auch kriminelle Energie dahinter" stecke. Es bleibt also abzuwarten, ob es der Stadtpolizei gelingt, den Schmutzfinken das Handwerk zu legen.