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15.03.2011

Höchster Klinikum bleibt ein Politikum

Das Klinikum Höchst kommt nicht aus den Schlagzeilen.	Foto: Franz Schmidt Das Klinikum Höchst kommt nicht aus den Schlagzeilen. Foto: Franz Schmidt

Von Boris Schöppner

Das Krankenhaus in Höchst ist kein gewöhnliches Krankenhaus. Lange Jahre war das Städtische Klinikum ein Eigenbetrieb der Stadt, seit dem 1. Januar 2010 ist es eine (gemeinnützige) GmbH, alleinige Gesellschafterin ist die Stadt. Ein Politikum ist das Klinikum allemal. Niemand weiß das besser als Hans Busch, der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Römer, der die Entwicklung des Krankenhauses an der Gotenstraße seit 25 Jahren kritisch begleitet und jetzt als einziger Oppositionspolitiker im Aufsichtsrat des Klinikums sitzt. Die Vorsitzende des Gremiums ist Gesundheitsdezernentin Manuela Rottmann.

Neuerliche Turbulenzen



Busch ist beunruhigt ob der Entwicklung des Krankenhauses. Und das nicht nur, weil gerade Wahlkampf ist. Dennoch kann man getrost davon ausgehen, dass der SPD und der FAG die neuerlichen Turbulenzen um die Trennung vom kaufmännischen Geschäftsführer Ralph von Follenius so kurz vor der Kommunalwahl nicht ganz ungelegen kommen. Gestern luden beide Fraktionen zu einer gemeinsamen Pressekonferenz zur «Situation am städtischen Klinikum in Höchst». Wie gesagt: Das Klinikum ist ein Politikum.

Während die FDP nach der Personalentscheidung Rottmanns, sich vom Klinikchef zu trennen, den Zeitpunkt kommen sieht, über die Beteiligung von Privaten neu nachzudenken (wir berichteten), nimmt Rainer Rahn, Fraktionsvorsitzender der Flughafenausbaugegner, die Strategie der Gesundheitsdezernentin ins Visier, das Klinikum müsse wirtschaftlich arbeiten. «Rottmann sollte sich überlegen, ob das Ziel, eine schwarze Null zu erzielen, richtig ist und ob sie es richtig angegangen hat.» Ein Krankenhaus der maximalen Versorgungsstufe könne – im Gegensatz etwa zu einem Privatkrankenhaus, das sich seine Patienten aussuchen könne, oder einem Krankenhaus, das nur ein gewisses Leistungsspektrum parat halte – nicht kostendeckend und schon gar nicht gewinnbringend arbeiten. Ein Maximalversorger sei nun mal eine Einrichtung der Daseinsvorsorge und damit ein Zuschussgeschäft.

Als nicht nachvollziehbar bezeichnete Hans Busch die Entwicklung am Klinikum, erst eine Palliativstation anzukündigen und das Personal einzustellen, um es dann auf verschiedene Abteilungen zu verteilen, weil es zu wenige Patienten gegeben habe. Er verwies darauf, dass sowohl im Nordwest- als auch im Markus- und im Elisabethen-Krankenhaus Palliativstation eingerichtet worden seien, es in Frankfurt also den Bedarf sehr wohl gebe.

SPD-Fraktionschef Klaus Oesterling sieht Rottmann vor einem Scherbenhaufen: Mit dem Neubau sei noch nicht angefangen worden, die schwarze Null sei nicht erreicht, die Situation im Krankenhaus sei verworren und vor allem: «Es ist nicht erkennbar, wo die Schritte nach vorne gehen.»

Stimmung ignoriert



Und Busch ist der Meinung, Rottmann habe es sich zu einfach gemacht, weil sie die negative Stimmung im Krankenhaus zu lange ignoriert habe. Schließlich sei es zwölf Wochen her, dass sich die Chefärzte bei der Gesundheitsdezernentin über die Situation im Klinikum beschwert hätten. Und bereits Ende Oktober hätten sich die Pflegekräfte in einem Schreiben an sie gewandt. Der Brief liegt dieser Zeitung vor. Darin heißt es, die pflegerische Situation am Klinikum sei «nicht mehr tragbar». Gespräche mit der Betriebsleitung und der Pflegedirektion seien «leider gescheitert». Die Klinik habe ein großes Potenzial, das von der Betriebsleitung erhalten und ausgebaut werden sollte. «Die derzeitige Situation für Patienten und Mitarbeiter erfüllt uns aber mit großer Sorge.» Zentraler Kritikpunkt: Die Aussage des Leitbilds, der Mensch solle im Mittelpunkt stehen, finde leider keine Anwendung mehr. Langjährige Mitarbeiter mit großem Fachwissen und sozialer Kompetenz hätten bereits das Krankenhaus verlassen. «Das Arbeitsklima in der Klinik hat sich so verschlechtert, dass es zu weiteren Kündigungen kommen wird.»

Als Gründe werden u. a. benannt eine «nicht nachvollziehbare Reduzierung der Stellenpläne»: «Der Sollstellenplan einer Station entspricht nicht dem tatsächlichen Pflegeaufwand.» Pflegekräfte könnten nicht ohne weiteres auf anderen Stationen eingesetzt werden, denn die Pflegekräfte seien Experten in ihrem Fachgebiet. «Durch die Kürzung des Sollstellenplanes in der Pflege bleibt keine Zeit für eine individuelle Betreuung der Patienten.» Statt den Patienten Getränke anzureichen, sehe die Realität so aus, «dass der Patient eher eine Infusion erhält, damit er sonst keine Zuwendung benötigt.»

Rottmann habe erst zu lange gezögert, jetzt hingegen von Follenius im Alleingang vor die Tür gesetzt. Dass der Magistrat nicht von dem Vorgehen der Gesundheitsdezernentin informiert gewesen sei, will Wulfila Walter, Referent von Rottmann, mit Hinweis auf die Vertraulichkeit der Magistratssitzungen nicht kommentieren. Auch nicht die Gerüchte, von Follenius erhalte eine Abfindung in Höhe eines Jahresgehaltes, das bei 140 000 Euro liegen soll.

«Es hat geknirscht»



Gestern Nachmittag sprach Rottmann vor den Beschäftigten des Klinikums. In ihrer Rede habe sie die Mitarbeiter über die Trennung von Klinikchef von Follenius informiert und bekräftigt, dass die bisherige Strategie fortgesetzt werde, sagte Walter auf Nachfrage dieser Zeitung. Beim Sanierungsprozess habe es geknirscht, so begründete Walter die «Auswechslung» von Follenius. Der Medizinische Geschäftsführer, Dr. Christof Kugler, stehe indes nicht zur Auswechslung.