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09.03.2011

Verunsicherung im Klinikum

Quo vadis Krankenhaus? Mit dem Rauswurf des Klinikchefs wurde deutlich, dass es hinter den Fassaden gewaltig brodelte.	Foto: Maik Reuß Quo vadis Krankenhaus? Mit dem Rauswurf des Klinikchefs wurde deutlich, dass es hinter den Fassaden gewaltig brodelte. Foto: Maik Reuß

Von Boris Schöppner

«Man macht sich schon Sorgen, wie es mit der Klinik weitergeht», sagt eine Krankenschwester aus der Kardiologie zur Stimmung im Klinikum, nachdem bekannt wurde, dass der kaufmännische Geschäftsführer, Ralph von Follenius, das Krankenhaus zum 15. März verlassen soll (wir berichteten). Überrascht von der Entlassung zeigt sich eine OP-Schwester, die zum Rauchen vor den Eingang der Notaufnahme getreten ist. Sie habe von irgendwelchen Spannungen oder Querelen nichts mitbekommen. Auch nicht, dass jemand dem Klinikchef den Personalmangel bei den OP-Schwestern persönlich zum Vorwurf gemacht habe.

Betriebsräte treffen sich



Insgesamt flössen Informationen nicht besonders schnell im Klinikum. Eine Auszubildende pflichtet ihr bei: «Wir bekommen ohnehin gar nichts mit.» Ein angehender Physiotherapeut berichtet von ganz unterschiedlichen Reaktionen in der Belegschaft des Krankenhauses: «Einige haben gesagt, dass sie froh seien, dass er weg ist, andere haben es bedauert, weil sie ihn für einen guten Klinikchef gehalten haben.»

Ein einheitliches Stimmungsbild gibt es am Klinikum nicht, und während die einen in der Kantine über den bevorstehenden Wechsel an der Krankenhausspitze diskutieren, widmen sich die anderen dem Alltag. Auch dem einen oder anderen leitenden Arzt bereitet die «einvernehmliche Trennung» von Stadt und von Follenius kein Kopfzerbrechen. Es scheint das Motto zu herrschen: «Klinikchefs kommen und gehen, unsere Arbeit bleibt die selbe.»

Heute Nachmittag kommen übrigens die Betriebsräte zusammen, um sich über die neue Situation im Klinikum auszutauschen, wie Barbara Strohmayer vom Betriebsrat auf Nachfrage erzählt. Dann werde der Betriebsrat auch die Gesamtstimmung besser einschätzen können. Ob jetzt alles besser werde? Strohmayer ist da skeptisch.

Zeitpunkt überraschend



Sie verwundert übrigens weniger die Tatsache, dass sich Gesundheitsdezernentin Manuela Rottmann (Grüne) von Klinikchef von Follenius trennt als vielmehr der Zeitpunkt der Entscheidung – drei Wochen vor der Wahl. Strohmayer vermutet, dass möglicherweise zwei Arbeitsgerichtsprozesse, die die Klinikleitung gegen den Betriebsrat verloren hatte (in einem Fall ging es um die Genehmigung von Überstunden, im anderen Fall um die verweigerte Übernahme von Gutachterkosten), das Fass zum Überlaufen gebracht haben und deshalb die Geduld der Gesundheitsdezernentin erschöpft war.

Das könne er nicht bestätigen, sagte hingegen Wulfila Walter, Referent der Dezernentin. Ebenso wenig wie die Einschätzung, es habe zwischen von Follenius und Rottmann Kommunikationsprobleme gegeben. Eine Einschätzung allerdings, die dem Höchster Kreisblatt von verschiedenen Seiten übermittelt worden war (HK vom 8. März).

In diesem Artikel wurde auch aus einer Pressemitteilung der FDP zitiert, die jetzt eine gute Gelegenheit sieht, auch Private an der Klinik zu beteiligen. «Das steht überhaupt nicht zur Debatte», sagt Referent Walter. Das Klinikum solle in kommunaler Trägerschaft verbleiben. Und an den Neubauplänen wird laut Walter ebenfalls festgehalten: «Absolut.»

Die Trennung von Follenius, ohne dafür Gründe zu nennen, hat im Stadtteil alle möglichen Angstszenarien in Gang gesetzt, auch, dass die Stadt möglicherweise die Pläne aufgeben wolle, selbst den Klinikneubau zu errichten. Dafür, dass im Klinikum und im Stadtteil über die Hintergründe der Trennung des Klinikchefs spekuliert werde, habe er Verständnis, sagte Walter.

Gleichzeitig machte er jedoch deutlich, dass es auch weiterhin nicht mehr Informationen als die der ersten Presseinformation am Freitag geben wird. Und aus dieser gingen keine Gründe hervor.

Von Follenius designierter Nachfolger, der Controller aus der Stadtkämmerei, Thomas Steinmüller (51), muss noch offiziell von der Gesellschafterversammlung der Klinik GmbH, das ist der Magistrat, bestellt werden. Danach, vermutlich Anfang April, soll er offiziell vorgestellt werden.