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08.03.2011

Klinikum Höchst: Rauswurf erster Klasse?

Ralph von Follenius Ralph von Follenius

Es deutet vieles daraufhin, dass es sich beim Abgang von Klinikchef Ralph von Follenius um einen Rausschmiss erster Klasse gehandelt hat. Es heißt, zwischen dem Gesundheitsdezernat von Manuela Rottmann (Grüne) und dem kaufmännischen Geschäftsführer von Follenius habe es «Kommunikationsprobleme» gegeben. Ein halbes Jahr habe es gedauert, bis Rottmann auf die Kritik aus Chefarztkreisen reagiert habe. Dass es jetzt mit dem Rauswurf so schnell ging, hat aber auch Insider überrascht.

Neben der unzureichenden Kommunikation zwischen von Follenius und Dezernat werden die vielen begonnenen und nicht erfolgreich beendeten Projekte als Gründe für die Trennung von ihm vermutet: Die von ihm hochgehaltenen kontinuierlichen Verbesserungsprozesse (KVP), einer Methode zur Ablaufoptimierung aus der Automobilbranche, hätten nicht zu messbaren Erfolgen geführt. Die Palliativstation sei eingerichtet und Personal eingestellt worden, doch dann wurde sie nicht eröffnet, weil es sich nicht rechnen würde, wie von Follenius den Mitarbeitern erklärt habe.

Ein Hin und Her habe es auch um andere Räume gegeben, die zuerst für das Sozialpädiatrische Zentrum renoviert worden seien, dann sollte dort ein cardiovaskuläres Centrum eingerichtet werden, was dann aber auch nicht realisiert wurde. Inwieweit diese Punkte ausschlaggebend für die Entlassung waren und inwieweit der Klinikchef im Einzelnen für das Scheitern der Projekte verantwortlich zu machen ist, all das lässt sich angesichts der Informationspolitik von Klinikum und Dezernat nicht bestimmen. Auch nicht, ob etwas an dem Gerücht dran ist, dass es unter von Follenius mit dem Neubauprojekt nur schleppend voranging.

Zeit für die Familie



So schreibt etwa Unternehmenssprecherin Petra Fleischer: «Herr von Follenius hat den bereits in der Pressemitteilung genannten Informationen nichts hinzuzufügen. Er wird sich in den nächsten Wochen zunächst seiner Familie widmen und dann neuen Herausforderungen im Gesundheitswesen zuwenden.»

Über die Presseerklärung vom Freitag hinaus werde es keine Stellungnahme geben, sagt auch Wulfila Walter, Sprecher der Gesundheitdezernentin. Und diese Erklärung hat, wie bereits berichtet, nichts zur Aufklärung der Hintergründe beigetragen. Im Gegenteil: Dort wird der Eindruck erweckt, von Follenius als «Autor der wachstumsorientierten Sanierungsstrategie» habe alles richtig gemacht.

Da fragt sich nicht nur Margarete Wiemer vom Betriebsrat: «Wie kann man denn dann jemanden gehen lassen, wenn der tatsächlich so genial gearbeitet hat?» Und skeptisch ist sie auch der Einschätzung des Dezernats gegenüber, Thomas Steinmüller, der designierte Nachfolger von Follenius, sei ein «langjähriger intimer Kenner des Klinikums Höchst». Der habe als Controller in der Kämmerei möglicherweise die Kennzahlen des Klinikums im Kopf, sagt Wiemer, von der Organisation des Klinikums und den Unwägbarkeiten des Krankenhausalltags vermutlich jedoch wenig Ahnung.

Ruf der Klinik in Gefahr



Auf unterschiedliches Echo stößt die Entscheidung bei den politischen Parteien: SPD und Flughafenausbaugegner geben in Pressemitteilungen ihrer Sorge Ausdruck, Ansehen und Ruf des Klinikums könnten Schaden nehmen, solange Spekulationen um die Hintergründe Tür und Tor geöffnet seien. Die FDP sieht jetzt Chancen, dass auch «Private» ins Klinikum einsteigen könnten. «Hierfür wünschen wir dem designierten Nachfolger, Thomas Steinmüller, alles Gute.»öp