18.02.2010 02:50 Uhr Lokales Frankfurt Höchst

Rückendeckung fürs Klinikum

Die Ärzte-Gewerkschaft Marburger Bund hatte im vergangenen Jahr behauptet, dem Krankenhaus Höchst liefen Assistenz- und Oberärzte in Scharen davon. Dem widersprechen zwei Berichte des Magistrats, die heute im Gesundheitsausschuss auf der Tagesordnung stehen.

Höchst. Es war starker Tobak, was der Marburger Bund im August vergangenen Jahres der Klinikleitung vorgeworfen hatte: Sechs Oberärzte hätten Höchst verlassen, weil sie nicht genügend verdient hätten, lautete einer der Kritikpunkte. Unterm Strich kämen Neueinstellungen jedoch teurer, weil die Bewerber häufig ihre Vorstellungen durchsetzen könnten. Außerdem warf die Ärztegewerkschaft der Leitung vor, der Betrieb mancher Abteilungen könne nur unter Verstößen gegen das Arbeitszeitgesetz und durch den Einsatz von fachfremden Ausleihen sowie Berufsanfängern aufrecht erhalten werden.

Aufgrund der Berichterstattung im Höchster Kreisblatt wollten es FDP und Flughafenausbaugegner (FAG) genauer wissen. Die Antworten der zuständigen Dezernentin liegen nun vor.

2009 waren laut Dr. Manuela Rottmann (Grüne) 277 Stellen im ärztlichen Bereich besetzt, was 97 Prozent des Stellenplanes entspreche und einer Vollbesetzung gleichkomme. Zeichen für eine erhöhte Fluktuation sieht Rottmann nicht. Der stete Wechsel von Assistenzärzten sei für einen Ausbilder wie das Höchster Krankenhaus normal: «Entscheidend ist, ob sich Abgänge und Zugänge entsprechen.»

Insgesamt fehlten jedoch bundesweit etwa 4000 Ärzte – «Tendenz steigend». Eine Entwicklung, die auch die Klinik betreffe, weshalb die Kliniken gemeinsam mit den Chefärzten ein umfangreiches Maßnahmenpaket geschnürt hätten, «das die Attraktivität des Arbeitgebers für die Mitarbeiter steigern soll». Dazu zählten: Die Tariftreue ohne sanierungsbedingte Einbußen, die Bereitstellung von Mitteln für Fort- und Weiterbildung, Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Auf einem guten Weg sieht Dr. Christof Kugler, medizinischer Geschäftsführer des Klinikums Frankfurt Höchst, die Entwicklung des Klinikums als attraktiver Arbeitgeber: «Das Klinikum verzeichnet eine steigende Zahl von Initiativbewerbungen von Medizinern.»

Betriebsengpässe habe es außer in der Chirurgie keine gegeben. Dort waren der Chefarzt und ein Oberarzt kurzfristig weggegangen. Das neue Arbeitszeitgesetz würde in allen Kliniken bereits umgesetzt, beziehungsweise man sei gerade mit der Umsetzung befasst. Allerdings räumt die Dezernentin ein: «Temporär kann es aber durch die Nichtbesetzung von Stellen dazu kommen, dass das Arbeitszeitgesetz nur eingeschränkt umgesetzt werden kann.»

FDP und FAG signalisieren bereits jetzt, dass ihnen nicht alle Antworten weit genug gehen. So weiß der FDP-Gesundheitsexperte Yanki Pürsün, dass der Marburger Bund einige Punkte anders bewertet. Und FAG-Fraktionsvorsitzender Rainer Rahn hält die Antworten zur Fluktuation, zum Einsatz fachfremder Mitarbeiter und zu den Verstößen gegen das Arbeitszeitgesetz für zu dünn: «Die Antworten bestärken mich darin, dass die Fragen die gestellt wurden, gerechtfertigt waren», sagt Rahn. öp