18.12.2009 02:50 Uhr Lokales Frankfurt Oberrad

Kräuterkönig kapituliert

Klaus Jung

Die Wege sind asphaltiert und die Schilder, die die Einfahrt verbieten, versetzt worden. Der Schleichverkehr nimmt seitdem stetig zu.

Oberrad. «Kräuterkönig» Klaus Jung aus Oberrad kämpft mit Platzmangel auf seinem Firmengelände in der Wasserhofstraße. Nun kommt hinzu, dass die Stadt die Einfahrtsverbotsschilder für die Feldwege nach hinten versetzt hat. Die ohnehin schon von vielen Autofahrern als Abkürzung benutzten Feldwege werden nun noch häufiger unbefugt befahren und behindern Jungs Traktoren und Lkw. Eine Sorge hofft er nun beseitigen zu können: Verlagert er doch bis März einen Großteil seines Betriebes ins Ostend.

In der Lindleystraße am Osthafen hat er eine einst vom Zoll genutzte Halle gemietet. Das Warenlager inklusive Kühlhaus, der Packbetrieb sowie die Büros werden dort untergebracht. «Die Verbindung zwischen dem neuen Firmengelände und unseren Kräuter- und Gemüsefeldern in Oberrad dürfte dann mit der Fertigstellung der Mainbrücke 2011 um einiges erleichtert werden.» Eigentlich hatte Jung geplant, in der Nähe der S-Bahn-Linie zu bauen. Das wurde ihm jedoch von der Stadt untersagt, da ein großer Teil der Felder zum Frankfurter Grüngürtel gehört.

Doch auch nach dem Umzug dürften die Traktoren Jungs, die seine Kräuter von den Feldern abtransportieren, von Autofahrern behindert werden. Seitdem die Wege asphaltiert wurden, nutzen vor allem Oberräder und Offenbacher sie als Abkürzung. Die Verbotsschilder werden ignoriert. Nachdem die Schilder von der Zufahrt der Feldwege etliche Meter weiter nach hinten versetzt wurden, können die Autofahrer sie nun auch erst sehen, wenn sie schon weit auf die Wege vorgedrungen sind. «Wer dreht dann noch um?», fragt Jung.

Zuspruch erhält der Unternehmer vom FDP-Stadtverordneten Yanki Pürsün. Der plädiert in einem Antrag an den Frankfurter Magistrat, alles erdenklich Mögliche für den Verbleib des Traditionsbetriebes zu unternehmen – notfalls auch einen Tausch mit einem Gelände nördlich der Oberräder Bahnlinie.

Die Zufahrt zu den landwirtschaftlichen Flächen sollte aus Sicht Pürsüns künftig nur noch über eine elektronische Schranke möglich sein. Gärtner und Landwirte könnten eine Fernbedienung erhalten. Diese soll so beschaffen sein, dass Radfahrern und Fußgängern mit Kinderwagen auch weiterhin der Durchgang ermöglicht ist. Auch sollte die Schranke so positioniert werden, dass das Wenden auf der Wehrstraße möglich bleibt.

«Oberrad ist als Gärtnerdorf bekannt. Die ansässigen Betriebe blicken auf eine Tradition zurück, die es zu bewahren gilt», sagt Pürsün. Wenn der 250 Jahre alte Betrieb Jungs wegen der räumlichen Enge Oberrad verlassen würde, sei zudem damit zu rechnen, dass die Felder für lange Zeit brach liegen würden.

Pürsün sieht in Gefahr, was Oberrad seit langem prägt: «Es muss dafür gesorgt werden, dass auch künftig die Zutaten für die über die Grenzen Frankfurts hinaus berühmte Grüne Soße in Oberrad produziert werden.»

Der Forderung nach der elektronischen Schranke hat der Magistrat jedoch bereits eine Absage erteilt. Diese sei zu anfällig für Sachbeschädigung und führe zu kostenintensiven Folgen, heißt es in einer Stellungnahme. Solche Schranken würden und werden aus diesen Gründen nicht im Stadtgebiet unterhalten.

Stattdessen will der Magistrat aber dafür sorgen, dass die Polizei die Oberräder Feldwege regelmäßig auf unbefugtes Befahren kontrolliert. Klaus Jung hilft das jedoch wenig. Er bleibt bei seinem Entschluss, einen großen Teil seines Betriebes ins Ostend zu verlegen. bki