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03.08.2009

Licht am Ende des Tunnels

Von Andreas Haupt

Mehr als ein Gewölbekeller ist nicht vom historischen Wasserhof übrig. Es gibt aber immer mehr Menschen, die die einstigen Gebäude wiedererrichten möchten. Dazu bräuchte es natürlich einen Investor.

Oberrad. «Strahlenberger Hof» hieß das im Jahr 1311 gegründete Lehngut Philipp von Falkensteins und Philipp von Münzenbergs. Von dem Anwesen, das Goethe später als «Wasserhof» bekannter machte, ist aber nicht viel übriggeblieben. «Nur das Tonnengewölbe des Kellers hat die schweren Bombenangriffe von 1945 überlebt», sagt Wolfgang Ahlemann, Vorsitzender des Frankfurter Geflügelzüchtervereins von 1867.


Die Geflügelzüchter haben ihren Sitz schon seit 1909, also seit genau 100 Jahren, auf dem Gelände der ehemaligen Wasserburg. Und einmal im Jahr, meist im Juli, feiern sie hier ihr Hoffest. Am Wochenende war es wieder mal so weit, etwas später als sonst.


Die Frage nach dem Umgang mit der Geschichte des Standorts spielte auf der Feier eine größere Rolle als sonst, denn das Hessische Denkmalamt hat beschlossen, die Überreste des früheren Lehnshofes unter Schutz zu stellen.


«Wir haben seitdem alle Arbeiten an den Gebäuden eingestellt», sagt Ahlemann. Denn wenn erst einmal ein Investor gefunden sei, würde dieser vielleicht alles wieder einreißen. Der Chef der Geflügelzüchter betont, dass zumindest das frühere Hauptgebäude historisierend rekonstruiert werden müsste.


Norbert Karl Scherlitz von der Interessengemeinschaft (IG) Neue Wasserhofstraße hat schon konkretere Ideen: «Für ein Hotel mit Restaurant wäre dies ein toller Standort: Denn wenn erst die Brücke zur neuen Europäischen Zentralbank gebaut ist, ist man hier nur einen Steinwurf davon entfernt.» Außerdem schlägt Scherlitz eine Dauerausstellung über die Geschichte des Wasserhofs und seinen Bezug zu Goethe vor.


Für all diese Pläne müssten die Geflügelzüchter den vorderen Teil ihres Geländes an einen Investor abgeben. «Dazu sind wir aber gern bereit», sagt Wolfgang Ahlemann. Weil dem Verein der Nachwuchs fehle, stünden ohnehin mehrere Gehege leer. «Und die anderen könnten wir ein Stück nach hinten versetzen.» Das Gewölbe des früheren Hauptgebäudes sei noch in einem guten Zustand, berichtet Ahlemann. «Darauf könnte man den ursprünglichen Bau rekonstruieren.» Und den jüngeren Nachbarbau könnte ein Investor abreißen und an derselben Stelle neu wieder errichten.


Der Rundgang durch den Gewölbekeller gleicht einer Zeitreise: «An den rostigen Ringen an der Decke hing früher Pökelfleisch», erläutert Norbert Karl Scherlitz. «Und sehen Sie die Reste der Stufen rechts und links über dem Kellereingang? Hier begannen früher Treppen, die zum in zwei Metern Höhe gelegenen Eingang führten. «Im Krieg ist alles außer dem Keller zerstört worden», betont Ahlemann. Der Verein habe dann ein provisorisches Dach auf die Stelle gesetzt.


Von der Vergangenheit des Geländes zeugen auch Tierköpfe, die in roten Sandstein gehauen sind. Sie lugen zwischen Bruchsteinen hervor. «Was es mit den Köpfen auf sich hat, wissen wir aber noch nicht genau», sagt Scherlitz.


Der Denkmalschutz für die Reste des Wasserhofs sind inzwischen zwar beschlossene Sache. Der Chef der IG wundert sich aber noch immer darüber, dass die Stadt so lange dagegen war: «Das Landesdenkmalamt hat schon vor langer Zeit mitgeteilt, dass allein die literarische Erwähnung des Wasserhofs in Goethes ,Faust’ einen Schutz rechtfertige.» Es sei an der Zeit, die Wasserhofstraße, die Gerbermühle und den Wasserhof als dreiteiliges Ensemble zu sehen. «Die wenigsten wissen, dass die heute so bekannte Gerbermühle früher nur ein Anhängsel des Wasserhofs war. Nicht umsonst kannte Goethe den Wasserhof, nicht aber die Mühle.»


Bevor ein Investor gesucht werden könne, müsse geklärt werden, wie mit dem Wasserhof weiter umzugehen sei, betont Yanki Pürsün von der Römer-FDP. Seine Fraktion hatte zuerst gefordert, ein Konzept für das historische Areal zu erstellen. «Als der Denkmalschutz auf der Kippe stand, mussten wir reagieren. Und nachdem die Kuh vom Eis war, wollten wir wissen: Wie geht es nun weiter?»


Inzwischen gibt es einen ähnlichen Vorstoß von der CDU und den Grünen: «Uns hat positiv überrascht, dass die beiden Parteien außer dem Denkmalschutz und den Ämtern auch die beteiligten Vereine und die Anwohner in die Erarbeitung eines Konzepts einbeziehen wollen», sagt Scherlitz.


Einige Punkte seien aber noch ungeklärt: «Der Gartenbaubetrieb der Familie Jung soll hinter dem Vereinsgelände angesiedelt werden. Dazu müsste der Weg entlang der Bahn breiter werden.» Die Geflügelzüchter müssten einen Streifen ihres Geländes abgeben. Und ein potenzieller Investor am Wasserhof müsste garantieren, dass die Geflügelzüchter auch in Zukunft einen Raum für ihre Treffen hätten.


(cached version 2009-10-14 10:36:23, next update: 10:56:23)