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20.01.2009

Nicola Beer hat gut lachen

Von Günter Murr

Frankfurt. So etwas haben die Frankfurter Liberalen noch nicht erlebt: 16,8 Prozent der Stimmen, knapp hinter Grünen und SPD, erstmals wird die FDP mit zwei Abgeordneten im Landtag vertreten sein. Eine davon, Nicola Beer (38), hat gute Chancen, in die Landesregierung aufzusteigen, sollte die FDP drei Ministerien besetzen dürfen. «Sie ist wegen ihrer Erfahrung für viele Aufgaben geeignet, vom Fraktionsvorsitz bis zu einem Ministeramt», sagte gestern der FDP-Kreisvorsitzende Dirk Pfeil.


Er ist als Mitglied des Präsidiums der hessischen FDP an den Koalitionsverhandlungen mit der CDU beteiligt und entscheidet damit auch über das Personaltableau. Wie das für die FDP aussehen wird, ist laut Pfeil noch offen. «Erst werden die Inhalte verhandelt, dann die Personalfragen.» Es sei auch noch nicht ausgemacht, ob die FDP drei Ministerien beanspruchen wird. «Qualität geht vor Quantität», sagte Pfeil. Zu berücksichtigen seien auch die Staatssekretäre sowie andere Ämter, etwa die Nachfolge des Darmstädter Regierungspräsidenten Gerold Dieke (FDP).


Als «gesetzt» für Ministerämter gelten bei der FDP Landeschef Jörg-Uwe Hahn sowie sein Vize Dieter Posch. Dritte im Bunde könnte Beer sein. Pfeil weist allerdings darauf hin, dass es in der FDP-Landtagsfraktion auch andere «ministrable» Personen gebe. Der stellvertretende FDP-Kreisvorsitzende Volker Stein sagte, er rate seiner Partei, drei Ministerien zu fordern.


Sollte Beer ins Kabinett einziehen, könnte sie ein neu zu schaffendes Ministerium für Integration erhalten, das die FDP im Wahlkampf gefordert hatte. «Man wird sehen, ob es dazu kommt», sagte der Kreisvorsitzende der Jungen Liberalen, Hans-Christian Mick, der als zweiter Frankfurter Kandidat den Sprung in den Landtag geschafft hat. Der 27 Jahre alte Doktorand gab gestern zu, nach den guten Umfragewerten für die FDP «Zahlenspiele» angestellt zu haben. Wirklich gerechnet habe er mit seinem Einzug ins Landesparlament aber nicht. «Das war schon eine faustdicke Überraschung.» Er wolle sich im Landtag vor allem um die Integrationspolitik kümmern.


Eventuell hat sogar ein dritter Frankfurter Kandidat noch Chancen auf ein Landtagsmandat. Yanki Pürsün (36) aus Niederrad steht auf Platz 23 der Landesliste. Das die FDP-Fraktion 20 Mitglieder hat, machen die Frankfurter Liberalen folgende Rechnung auf: Wenn drei FDP-Abgeordnete Minister werden und ihr Landtagsmandat niederlegen, würde Pürsün ins Parlament nachrücken. Allerdings sollen Hahn und Posch bereits angekündigt haben, entgegen der bisher bei der FDP üblichen Praxis als Minister ihr Mandat behalten zu wollen. Den Frankfurter Liberalen gefällt das nicht: «Ich kann nur raten, eine seit 1970 bestehende Tradition nicht aufzugeben», sagte Stein.


(cached version 2009-01-20 20:18:54, next update: 20:38:54)