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30.12.2008

Weihnachtsfrieden beendet

„Wesselmänner“ heißen die großen Plakatständer, die die Parteien wie hier in der Eschersheimer Landstraße gut sichtbar im gesamten Stadtgebiet aufgestellt haben. Sie sind benannt nach der Bochumer Firma Wesselmann, die sie in ganz Deutschland liefert. Foto: Rainer Rüffer «Wesselmänner» heißen die großen Plakatständer, die die Parteien wie hier in der Eschersheimer Landstraße gut sichtbar im gesamten Stadtgebiet aufgestellt haben. Sie sind benannt nach der Bochumer Firma Wesselmann, die sie in ganz Deutschland liefert. Foto: Rainer Rüffer

Von Günter Murr

Frankfurt. Bis zur Landtagswahl am 18. Januar bleibt nicht mehr viel Zeit. Dennoch ließen die Parteien über die Weihnachtsfeiertage den Wahlkampf größtenteils ruhen. Lediglich die SPD warb schon mit inhaltlichen Botschaften um Stimmen. CDU und FDP übermittelten lediglich Grüße zum Fest, die Grünen verzichteten zunächst ganz auf Plakate.


Gestern war der Weihnachtsfrieden zu Ende. Trotz der kalter Witterung zogen freiwillige Helfer aller Parteien los und montierten Plakatständer an den Straßenrändern. FDP-Kreisgeschäftsführerin Edith Trockner brachte den 15 Plakatierern mittags heißes Chili con Carne zur Stärkung. Sie hoffte, dass gestern noch die Themenplakate geliefert werden, die bisher noch fehlten. Als Köpfe kleben die Liberalen nur die Frankfurter Spitzenkandidatin Nicola Beer und den Kandidaten im Süden, Yanki Pürsün. «Das ist auch eine Kostenfrage», sagt Trockner. Wenn die Arbeit erledigt ist, werden rund 1000 Plakate der FDP am Straßenrand stehen.


Deutlich mehr, nämlich 5000 bis 6000, hat die CDU. Hinzu kommen 40 Großplakate mit rund zehn Quadratmeter Fläche. Bereits am Wochenende haben einzelne Stadtbezirksverbände die beiden ersten Motive mit inhaltlichen Botschaften geklebt. «Die Kandidatenplakate folgen im Lauf der Woche», sagt Kreisgeschäftsführer Christian Wernet. Trotz der Urlaubszeit sei es nicht schwer, freiwillige Helfer für den Wahlkampf zu finden.


Diese Erfahrung hat auch Bastian Bergerhoff gemacht, Vorstandssprecher der Frankfurter Grünen. «Unsere Mitglieder sind sehr motiviert.» Leute aus der Kreativwirtschaft hätten angeboten, Ideen für einen originellen Wahlkampf einzubringen. Die Grünen müssen aufholen. Bis Weihnachten hatte die Partei bewusst auf Plakate verzichtet. «Das hat sich sehr bewährt», findet Bergerhoff. «Auch wenn nicht Weihnachten ist, sollten wir uns mit den Plakaten zurückhalten, denn schöner wird die Stadt dadurch ja nicht.» Insgesamt wollten die Grünen rund 2800 Ständer im Stadtgebiet aufstellen. Vom Landesverband haben die Frankfurter drei verschiedene Themenplakate bestellt. Außerdem wird der hessische Spitzenkandidat Tarek Al-Wazir geklebt. Kopfplakate mit den Frankfurter Kandidaten werde es nicht geben, so Bergerhoff. Allerdings werde man noch einen Joker im Ärmel behalten. «In der letzten Woche vor der Wahl wollen wir mit einem Plakat spontan auf die aktuelle Lage reagieren.»


Die SPD war als einzige Partei schon während der Feiertage mit inhaltlichen Botschaften präsent. «Es hat keine Beschwerden gegeben», sagte Unterbezirks-Geschäftsführer Andreas Heusinger von Waldegge. Mit 1800 kleinen Plakaten und 50 «Wesselmännern» haben die Sozialdemokraten bereits ihre Sollstärke erreicht. Sämtliche inhaltichen Botschaften sind verbeitet, es fehlt nur noch das Abschlussplakat mit dem Spitzenkandidaten. Hinzu kommen Plakate, die einzelne Kandidaten auf eigene Faust kleben. Darüber hinaus mietet die Landespartei kommerzielle Plakatflächen, die man spenden kann. «Das kommt gut an», sagt Heusinger.


Mit Informationsständen hält sich die SPD derzeit noch zurück. «Es sind ja noch alle im Urlaub.» Erst am Wochenende vor der Wahl geht es richtig los. Mit einer Ausnahme: Heute um 10.30 Uhr kommt SPD-Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel zu einer «Umtauschaktion» an die Hauptwache. Nicht Geschenke soll man umtauschen, sondern den Ministerpräsidenten . . .


Die CDU beginnt bereits am 3. Januar mit ihren Infoständen, ebenso wie die FDP und die Grünen. Diese haben übrigens erstmals einen Politiker einer anderen Partei für eine Wahlkampfveranstaltung eingeladen. Am 9. Januar diskutiert Kultusminister Jürgen Banzer (CDU) mit dem Landtagsabgeordneten Matthias Wagner (Grüne) über Schulpolitik. «Das ist doch viel spannender, als einfach das eigene Wahlprogramm zu verlesen», findet Bergerhoff.


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