08.12.2005
Studie zu Altenheimen erschreckt die Politiker
Frankfurt. Die Stadtverordneten im Sozialausschuss wollen die Situation in den städtischen Alten- und Pflegeheimen verbessern. Einstimmig wurde in der jüngsten Sitzung der Antrag der CDU beschlossen, in den Einrichtungen einen «Heimarzt» einzuführen. Dieser soll möglichst in der Nähe der Altenheime seine Praxis haben, aber weder die freie Arztwahl der Heimbewohner beeinträchtigen, noch existenziell allein von dem Heim abhängen. Beschlossen wurde außerdem ein Antrag der Grünen, mit dem Magistrat aufgefordert wird, ein Konzept zur Reduzierung und zur Kontrolle des Psychopharmaka-Einsatzes in Altenheimen vorzulegen.

Anlass für die beiden Anträge war eine Studie, die im Auftrag der BHF-Bank in einem Berliner Altenheim durchgeführt worden war. Demnach erhielten dort mehr als 50 Prozent der 142 Heimbewohner Psychopharmaka, obwohl in einem Drittel dieser Fälle keine Diagnose dokumentiert worden war. In 40 Prozent der Fälle fanden sich unvollständige Anordnungen der Ärzte, in einigen Fällen überhaupt keine. Offenkundig waren die Patienten einfach «ruhig gestellt» worden.

Die Stadtverordneten Marcus Bocklet (Grüne), Stephan Siegler (CDU) und Yanki Pürsün (FDP) nannten die Ergebnisse der Studie «erschreckend» und würdigten die Bereitschaft des Altenheims, die Situation untersuchen zu lassen.

Ein Arzt, der regelmäßig seine Patienten im Heim betreue, könnte nach Ansicht Sieglers sowohl die Verwendung von Psychopharmaka reduzieren als auch die Zahl der Überweisungen in Krankenhäuser verringern. Rudi Baumgärtner (SPD) betonte allerdings, in den Alten- und Pflegeheimen könne auch durch organisatorische Änderungen und «mehr Zuneigung des Personals» manches verbessert werden.

Bocklet betonte, bessere Kontrollen bedeuteten auch mehr Arbeit für das ohnedies oftmals überlastete Personal in den Heimen. Umso wichtiger sei aber, dass der Magistrat die in der BHF-Studie empfohlenen Handlungsanweisungen in ein Konzept für Frankfurt einarbeite. Immerhin gehe es «auch um Menschenrechte».

Kontrovers diskutiert wurde die Frage, ob eine Anhörung vor und nach der Erarbeitung des Magistratskonzepts durchgeführt werden sollte. Anna Latsch (SPD) plädierte dafür, zunächst Experten anzuhören, während Stephan Siegler davor warnte, dass dies zu Verzögerungen über die Kommunalwahl hinaus führen würde. Am Ende setzten sich die Grünen gegen die SPD durch. Nun soll der Magistrat ein Konzept vorlegen, zu dem dann abschließend Experten gehört werden. (jge)