28.01.2008
Von liberalen Farbenspielen und sehr gedämpfter Freude
Von Thomas J. Schmidt

Frankfurt. Mit eisigem Schweigen nahmen die FDP-Mitglieder das Ergebnis der ersten Hochrechnung zur Kenntnis. Dem Bundestagsabgeordneten Hans-Joachim Otto fiel fast das Glas aus der Hand, als er im Gedränge vor einem Fernsehbildschirm im Presseclub die Zahlen sah. Die CDU, so etwas von schwach! „Dann reicht es auch mit unserem guten Ergebnis nicht.“

Georg Diehl, Landwirt und FDP-Stadtverordneter, war vor 18 Uhr noch gut gelaunt durchs Gedränge gelaufen und hatte Bonbons verteilt. „Wie es auch ausgeht, ich bin platt“, sagte er. Noch am Mittag hatte er bei 30 Wahlplakaten kontrolliert, ob sie noch hängen. Als das Ergebnis kam, sah er seine Befürchtungen bestätigt: „Vor vier Jahren waren wir nicht dabei, weil der Partner zu stark war, jetzt sind wir nicht dabei, weil der Partner zu schwach ist.“

Das einfache Parteimitglied Stefan Otten ist trotzdem zufrieden: „Wir haben einen guten Wahlkampf geliefert und ein gutes Ergebnis erzielt. Den Rest wird man abwarten müssen.“

Aufs Abwarten wollten sich nicht alle FDP-Mandatsträger verlegen. Otto sicherte zu: „Es gibt keine Ampel“. Später am Abend, als es vorübergehend gar für Rotgelb zu reichen schien, sagte der ehemalige Baudezernent Franz Zimmermann: „Ich fand sozialliberal unter einem Kanzler Schmidt super. Aber mit der jetzigen SPD gibt es keine Gemeinsamkeiten, auch im Land nicht.“ Der Kreisvorsitzende Dirk Pfeil fürchtet gar ein Auseinanderbrechen der FDP in Frankfurt, wenn die Roten in Wiesbaden mit gelben Stimmen ins Amt kommen. Für den Stadtverordneten Christoph Schnurr stand fest: „Für uns geht Schwarzgelb oder gar nichts.“ Jenseits der starken Sprüche und Formeln bekannte der Direktkandidat Rolf Würz, dass der Abend für viele wohl nur mit Alkohol zu ertragen sei. Zu dem Zeitpunkt, als er das sagte, etwa gegen 20 Uhr, lag er mit 6,5 Prozent der Stimmen im Wahlkreis 35 noch hauchdünn vor Peter Gärtner (Grüne, 6,4 Prozent). „Dass die so viele Stimmen bekommen . . .“ Würz war fassungslos. Viele andere auch. Hinter vorgehaltener Hand waren auf der liberalen Wahlparty Worte wie „Katastrophe“ zu hören. Und das trotz des guten Ergebnisses.

Über das freuten sie sich denn auch, wenn auch verhalten. „Wir haben gut gekämpft und können zufrieden sein“, sagte Yanki Pürsün, Direktkandidat im Wahlkreis 37. Für ihn reichte es trotz des guten Ergebnisses nicht: Mit Listenplatz 22 „darf ich noch ein paar Runden außerhalb des Landtags drehen“. Einzig die liberale Abgeordnete Nicola Beer dürfte es wieder nach Wiesbaden geschafft haben. Für Heinz-Jürgen Schäfer war der Abend nach 20 Uhr zu Ende. An der Treppe zum Presseclub schnitt er noch drei gelbe Luftballons ab und schenkte sie seinem Sohn (8).