22.09.2007
Sicherer als der Ruf
Frankfurt. Die Stadt Frankfurt trägt zu Unrecht den Titel „Hauptstadt des Verbrechens“. Tatsächlich ist die Zahl der Delikte, die von der Frankfurter Polizei registriert werden, nämlich um durchschnittlich 14,5 Prozent geringer als in der umstrittenen Gesamtkriminalitätsstatistik. Wie aus einem Magistratsbericht hervorgeht, fallen lediglich 85,5 Prozent der in Frankfurt registrierten Straftaten in die Zuständigkeit des Polizeipräsidiums. Für 11,1 Prozent der Fälle ist Bundespolizei zuständig, für die übrigen 3,4 Prozent sind es Zoll, Bundeskriminalamt und andere Behörden.

In der Antwort auf eine Anfrage der FDP betont der Magistrat, dass Frankfurt regelmäßig einen Spitzenplatz als angebliche Kriminalitätshochburg der Republik erhalte, schade nicht nur dem Image, sondern verkenne auch die besondere Situation der Stadt. Würde die Zahl der Menschen berücksichtigt, die sich tagsüber in Frankfurt aufhielten, aber im Umland wohnten, hätte die Stadt plötzlich keinen Spitzenplatz in der Statistik mehr und wäre „sicherer“.

Keine andere deutsche Stadt habe 2006 eine so hohe Zahl an Pendlern, Messe- und Fluggästen aufgewiesen wie Frankfurt, heißt es in dem Magistratsbericht. Hinzu kämen Delikte ohne personifizierbares Opfer wie Leistungserschleichung oder ausländerrechtliche Verstöße am Flughafen, die 17 Prozent aller Straftaten ausmachten. Dieser Anteil sei in Stuttgart (10,4 Prozent), Hamburg (6,1 Prozent) und Berlin (5,8 Prozent) wesentlich geringer.

Am Flughafen ereignen sich allein knapp acht Prozent der in Frankfurt registrierten Delikte. Dazu zähle eine hohe Zahl an Frachtdiebstählen, die teilweise bereits im Ausland begangen, aber erst in Frankfurt festgestellt wurden. Die von der Bundespolizei registrierten Straftaten am Flughafen und am Hauptbahnhof machten insgesamt einen Anteil von 11,4 Prozent an der Gesamtkriminalität aus.

Deutlich höher als in anderen Großstädten ist laut Magistrat in Frankfurt auch „das Phänomen der importierten Kriminalität“. 20 Prozent der Tatverdächtigen haben demnach einen Wohnsitz im Ausland. Im Stuttgart sind es nur 2,5 Prozent. Insgesamt wohnen lediglich 44,7 Prozent aller Tatverdächtigen auch in Frankfurt, während diese Zahl in München, Stuttgart und Düsseldorf mehr als 60 Prozent beträgt.

Tatsächlich liegt die Stadt Frankfurt sowohl bei der Zahl der Einpendler (305 356) als auch bei der Zahl der Messebesucher (2,35 Millionen) unter den Großstädten vorn. Berlin kommt beispielsweise nur auf 210 372 Einpendler und 1,8 Millionen Messebesucher. Bei der Zahl der Übernachtungen liegen dagegen Berlin (15,9 Millionen), München (8,8 Millionen) und Hamburg (7,17 Millionen) klar vor Frankfurt (5,1 Millionen).

In absoluten Zahlen wurden vergangenes Jahr die meisten Straftaten in Berlin (496 797), Hamburg (236 547), Köln (137 576) und München (111 622) registriert. Erst dann folgt Frankfurt mit 106 769 Straftaten. Bezogen auf jeweils 100 000 Einwohner liegt Frankfurt bei der so genannten Häufigkeitszahl mit 16 505 Delikten vor Düsseldorf (15 181), Bremen (14 719) und Berlin (14 632). Berücksichtigt man in der Statistik das Erschleichen von Leistungen und ausländerrechtliche Delikte nicht, so kommt Bremen auf 13 872 Straftaten auf 100 000 Bewohner, Berlin auf 13 787 und Frankfurt auf 13 710. Düsseldorf wurde nicht berechnet, da Angaben zu Leistungserschleichungen und Verstöße gegen das Ausländerrecht nicht vorlagen.

Fazit des Magistrats: Gerade bei „harten“ Delikten, die das Sicherheitsempfinden besonders beeinträchtigen, belegt Frankfurt keinen Spitzenplatz. Eine Erkenntnis, die sich auch in Umfragen niederschlägt, denen zufolge nur zwölf Prozent der Frankfurter Kriminalität als größtes Problem sehen – vor zehn Jahren waren es noch 50 Prozent. (jge)