06.09.2007
Rinn führt Liberale
Von Thomas Remlein

Frankfurt. Annette Rinn (47) wird ab 1. November die sechsköpfige Fraktion der Liberalen im Römer führen. Zum neuen stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden wurde Christoph Schnurr (23) gewählt. Als neuen Fraktionsgeschäftsführer bestellten die Liberalen im Römer ihren Stadtverordneten Yanki Pürsün, Gert Trinklein wird stellvertretender Stadtverordnetenvorsteher. Die Personalentscheidungen fielen einstimmig. Nötig wurden die personellen Veränderungen, weil der bisherige Fraktionschef Volker Stein (57) ab 1. November in das Amt eines hauptamtlichen Magistratsmitglieds wechselt.

„Besser bestellt könnte ich das Haus nicht hinterlassen“, sagte Stein, als er gestern die personellen Änderungen bekannt gab. Rinn war bereits Steins Stellvertreterin in der Fraktion. Bei der Kommunalwahl 2001 wurden Stein und Rinn erstmals in die Stadtverordnetenversammlung gewählt.

Schnurr, der ebenfalls einige Zeit als neuer Fraktionschef im Gespräch war, „hat gebeten von der allerersten Linie ferngehalten zu werden“, sagte Stein. Nach einer abgeschlossenen Lehre als Industriekaufmann studiert Schnurr internationale Betriebswirtschaftslehre. Er werde sein Studium im September 2009 abgeschlossen haben, erklärte der 23-Jährige. Schnurr ist auch stellvertretender FDP-Kreisvorsitzender.

Auch der neue Fraktionsgeschäftsführer Pürsün wird seine Tätigkeit ehrenamtlich ausüben und weiterhin als Luftverkehrskaufmann bei der Lufthansa arbeiten. Rinn ist Geschäftsführerin in einem mittelständischen Betrieb.

„Weil wir alle erfolgreich im Beruf sind, sind wir breiter aufgestellt als andere Fraktionen“, betonte Stein. Rinn ist seit 1981 die erste Frau an der Spitze der FDP-Fraktion. „Wir haben auch ohne Quoten Frauen in Führungspositionen“, erklärte Stein. Seine Frau Nicola Beer ist Geschäftsführerin der FDP-Landtagsfraktion in Wiesbaden.

Rinn freut sich, die neue Aufgabe zu übernehmen, „weil es bei uns keine Grabenkämpfe gibt. Wir haben eine sehr harmonische Fraktion.“ Als weiteren Vorteil betrachtet es die 47-Jährige, dass die FDP nicht fester Bestandteil der Koalition sei: „Wir können uns zum Ausbau des Flughafens äußern.“ Die FDP werde in einigen Punkten gegen die schwarz-grüne Koalition stimmen. Nicht einverstanden seien die Liberalen beispielsweise mit der Sperrung der Hauptwache. Die jetzt nur vorläufig beschlossene Sperrung zeige, dass auch Verkehrsdezernent Lutz Sikorski ahne, dass es problematisch werden könnte, erklärte die Vorsitzende des Verkehrsausschusses.

Stein sieht mit Rinn an der Fraktionsspitze die Kontinuität gewährleistet. „Es ist ein von mir gewünschter Übergang. Ich war von Anfang an überzeugt, dass es harmonisch laufen wird und zu keinen Turbulenzen wie in anderen Fraktionen kommt“, sagte der scheidende Fraktionschef. Der designierte Dezernent für Sicherheit, Ordnung- und Brandschutz kündigte an, „dass der Meister nah an der Fraktion bleiben wird, damit es zu keinen Irritationen zwischen Magistrat und Fraktion kommt, wie das in der Vergangenheit gelegentlich der Fall war“.

Mit der Aufwertung der Positionen von Schnurr und Pürsün können sich nun auch die vielen jungen Mitglieder der FDP stärker repräsentiert sehen. Wie keine andere Partei in Frankfurt hat die FDP viele Mitglieder, die jünger als 40 Jahre sind.

Als Stadtverordneter rückt Georg Diehl in die Fraktion nach, der den Wirtschaftsausschuss übernehmen wird. Die Stadtverordnete Brigitte Reifschneider-Groß übernimmt von Stein den Ausschuss Planen-Bauen-Wohnen, die zukünftige Fraktionsvorsitzende Annette Rinn den Haupt- und Finanz- sowie den Ältestenausschuss. Weitere Veränderungen in der Ausschussverteilung sind nicht vorgesehen.