26.07.2007
Für Sanierung höchste Eisenbahn
Von Matthias Elsdörfer

Oberrad. Durch die Bahnunterführung an der Wehrstraße gehen und fahren die Oberräder mit einem äußerst mulmigen Gefühl. Sie haben Angst davor, dass das Bauwerk eines Tages doch dem Druck des Wassers nachgibt und Steine und Betonbrocken herausbrechen könnten. Oberräder, Gärtner und inzwischen auch Mitarbeiter der Stadtverwaltung sind sich einig: Es ist „höchste Eisenbahn“. In der Unterführung hat es in der Vergangenheit zahlreiche Wasserschäden gegeben, jetzt muss sie dringend saniert werden.

Das ist nicht zu übersehen: Die Wände zeigen Risse, die Kacheln sind gesprungen und Dehnfugen derart gestreckt, dass einzelne Segmente der Unterführung mehrere Zentimeter voneinander weggerückt sind. Nachbar Norbert Scherlitz, Initiator der „Interessengemeinschaft Neue Wasserhofstraße“ beobachtet den Verfall mit Sorge. „Die Schäden, die schon seit 2005 an der Oberfläche auftreten, sind ein Zeichen dafür, wie es im Innenleben des Betonwerks aussehen muss“, vermutet er.

Ingenieur Günter Hofmann, Mitglied der Initiative, gibt sich überzeugt: „Das Bauwerk ist nicht mehr sicher.“ Das zeige sich auch daran, dass Mitarbeiter der Bahn AG jede Woche einmal mit einem Fahrzeug vorbeikämen und die Unterführung inspizierten, ergänzt Scherlitz. „Das Grundwasser drückt an mehreren Stellen durch den Beton, und der ist gewölbt. Selbst an trockenen und heißen Tagen sind die Mauern nass und auf dem Boden stehen Pfützen“, hat der Oberräder beobachtet.

Dabei wurde das Bauwerk unter der ICE-Strecke erst 1991 eingeweiht. Allerdings steht es in einem Gebiet mit einem besonders hohen Grundwasserspiegel. In diesem Gebiet flossen einst die Gräben des nahe gelegenen Wasserhofs.

Auch im zuständigen Verkehrsdezernat von Lutz Sikorski (Grüne) ist bekannt, dass der Zustand der Unterführung beängstigend wirkt. Nach Einschätzung der zuständigen Ämter ist die Standsicherheit des Bauwerks aber nach wie vor nicht gefährdet. Über eine Sprecherin teilt Sikorski mit, dass sich ein Mitarbeiter des Amts für Straßenbau und Erschließung bereits mit der Bahn AG in Verbindung gesetzt habe, um Sanierungspläne zu erörtern. „Allerdings kam von der Bahn bisher noch keine ernstzunehmende Reaktion – die Stadt wird verstärkt an der Angelegenheit arbeiten“, erklärt Sikorskis Mitarbeiterin Daniela Starrmann.

Einen Fürsprecher haben die Oberräder auch in dem FDP-Stadtverordneten Yanki Pürsün. „Ich habe in der Stadtverordnetenversammlung schon mehrfach nachgehakt.“ Vom Magistrat sei ihm daraufhin versichert worden, dass keine Gefahr bestünde, die Stadt aber etwas unternehmen wolle. „Der Moment zum Handeln ist jetzt gekommen“, findet Pürsün. Auch von der Bahn habe er die Auskunft erhalten, dass die Verkehrssicherheit gewährleistet sei. Das Unternehmen wolle aber ein Sanierungskonzept erstellen. Im kommenden Jahr, erklärt Pürsün, solle nun etwas passieren.

Die Nachbarn wüssten gern, was die Bahn vorhat. Denn sie haben schon wieder neue Befürchtungen. „Die billigste Variante wäre, den Grundwasserspiegel zu senken“, sagt Scherlitz und fügt an: „Damit würde man aber auch den Gärten und Feldern das Wasser abgraben und unsere Häuser würden bald Risse bekommen – das wäre für uns eine Tragödie.“ Er hofft nun, dass die Unterführung grundlegend saniert wird.