25.07.2007
Schleichverkehr nervt Oberräder
Von Matthias Elsdörfer

Oberrad. Es ist schon praktisch, sich gut in Frankfurt auszukennen: Wer über das Netz der kleineren und Nebenstraßen gut Bescheid weiß, kann so manchen Stau umgehen. Das geht auch in Oberrad und viele Autofahrer wissen das. Sehr zum Unmut der Bewohner der Gräfendeichstraße. Allmorgendlich ziehen Autoschlangen durch ihre Straße, die Fahrer umgehen so das Stopp-and-Go am Kaiserlei-Kreisel und am Buchrainplatz.

Die Verkehrsbelastung ist dort inzwischen so groß geworden, dass sich auch die Stadtverordnetenversammlung und Verkehrsdezernent Lutz Sikorski schon damit beschäftigt haben. Bei einem Ortstermin Mitte Juni sollte nach Lösungen gesucht werden, wie die findigen Autofahrer wieder aus den Wohngebieten gedrängt werden können. Doch dieses Treffen hat es bisher nicht gegeben. Die Oberräder werden unruhig.

„Ich habe gehört, Frankfurt und Offenbach haben sich darauf geeinigt, aus dem Kaiserlei-Kreisel ein Kreuzungssystems zu machen“, sagt der Oberräder Norbert Karl Scherlitz, Begründer der IG Wasserhofstraße. Seiner Meinung nach wäre das der falsche Schritt für Oberrad. Er fürchtet noch mehr Schleichverkehr im Stadtteil. „Schon jetzt haben wir im Berufsverkehr lange Rückstaus vom Kreisel, die an schlimmen Tagen bis nach Sachsenhausen gehen.“

Nachmittags suchten sich die Pendler ihren Weg durch Oberrad bis zum Offenbacher Taunusring, von dort geht es weiter auf die A 661. In den Morgenstunden seien vor allem die Gräfendeichstraße und die Wasserhofstraße dicht befahren. „Morgens ist zwischen halb sechs und halb neun der Teufel los“, sagt Scherlitz. Und: „Ich möchte mir gar nicht vorstellen, was hier los ist, wenn der noch halbwegs funktionierende Kreisel durch ein Kreuzungssystem ersetzt wird.“ Und dann seien da ja noch die Pläne für die Verlängerung der Honsellbrücke. Das würde, so heißt es in Oberrad, zusätzliche Belastungen für die Gerbermühlstraße bedeuten.

Einige der von Scherlitz geäußerten Sorgen kann Sikorski zerstreuen: „Die Idee mit dem Kreuzungssystem steht im Raum, aber das ist fernste Zukunftsmusik – in diesem Jahrzehnt wird da gar nichts geschehen“, sagt der Stadtrat. Mit der versprochenen Ortsbegehung sei das Dezernat in der Tat später dran als im Römer angekündigt.

Dabei habe er das Problem schon in der Sitzung der Stadtverordneten am 4. Juni angesprochen, sagt der FDP-Stadtverordnete Yanki Pürsün. Seiner Auffassung nach sei der Verkehr in den Wohngebieten nicht nur störend für die Anwohner, die Straßen seien auch nicht für die Belastung durch den „Schleichverkehr“ ausgelegt. Die CDU-Abgeordnete Margit Weißbach hatte Pürsüns Vortrag damals noch um den Hinweis ergänzt, dass Pendler aus Offenbach sogar die Wege durch die Kleingärten nutzten, um schneller ins Büro zu kommen.

„Man muss die Verkehrsführung so intelligent ändern, dass Schleichwege nicht mehr möglich sind.“ Pürsün blieb auch nach der Sitzung am Thema dran, doch den von Sikorski versprochenen Ortstermin, an dem der zuständige Ortsbeirat und das Polizeirevier beteiligt werden sollten, hat es noch nicht gegeben. Aus gutem Grund, hieß es dazu aus dem Dezernat. Wie berichtet, wird derzeit die Wasserhofstraße saniert. So lange dort die Bauarbeiten laufen, erscheint es den Beteiligten, allen voran dem Straßenverkehrsamt, wenig sinnvoll, über Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung nachzudenken. Jetzt die Verkehrsführung zu verändern, würde nur zusätzliches Chaos in Oberrad schaffen. Diese Gründe, den Termin zu verschieben, habe das Amt auch mit Norbert Scherlitz besprochen. Also müssen die Oberräder noch das Ende der Bauarbeiten in der Wasserhofstraße abwarten, erst dann kann es in ihrem Stadtteil wieder ruhiger werden. Ein genauer Termin ist allerdings noch nicht absehbar. (me)