11.04.2007
Chefsuche im Quartett
Von Joachim Geiger

Frankfurt. Markus Frank und Olaf Cunitz, die Fraktionschefs von CDU und Grünen, gibt es nur im Doppelpack. Jedenfalls behaupten dies Spötter im Römer – und die Polit-Zwillinge hören das nicht einmal ungern, schließlich wollen sie, dass die gesamte schwarz-grüne Koalition auf absehbare Zeit unzertrennlich ist.

Dass Olaf Cunitz als frisch gebackener Stadtverordneter gleich die Nachfolge des zum Stadtrat aufgestiegenen Lutz Sikorski als Fraktionschef antreten würde, war weniger überraschend als die Entscheidung der Römer-CDU, Markus Frank zu ihrem Vorsitzenden zu wählen. Frank, zwei Mal bei dem Versuch gescheitert, im Frankfurter Westen das Direktmandat für den Bundestag zu erobern, galt bei manchen seiner Partei- und Fraktionskollegen eher als politisches Leichtgewicht. Aber der 38-Jährige ging mit einer Selbstverständlichkeit an seine neue Aufgabe heran, die sogar seine Befürworter verblüffte. Offen und selbstkritisch, aber auch verbale Scharmützel mit der Opposition nicht scheuend, hat sich Markus Frank in wenigen Monaten Respekt verschafft.

Olaf Cunitz (38), sein Grünen-Pendant, tut sich etwas schwerer. Im Politik-Betrieb Römer „fremdelt“ er noch ein bisschen. Bei Wortgefechten greift er lieber zum Säbel als zum Florett, was das Verhältnis zur Opposition naturgemäß nicht einfacher macht. Bemerkenswert ist, wie Cunitz den Spagat meistert, einerseits verlässlicher Koalitionspartner zu sein, andererseits aber grüne Positionen herauszustellen, die nicht gerade CDU-kompatibel sind. Zumindest in dieser Hinsicht kann Markus Frank noch von ihm lernen. Gespannt darf man darauf sein, ob es Frank und Cunitz auch gelingen wird, den Koalitionsfraktionen gegenüber dem Magistrat mehr Gewicht zu verschaffen. Dezernenten neigen bekanntlich dazu, von den Stadtverordneten ihrer Partei mehr oder minder bedingungslose Gefolgschaft zu erwarten.

Der kooptierte Koalitionspartner FDP hat den Umbruch an der Fraktionsspitze noch vor sich. Volker Stein soll im Juni zum Stadtrat gewählt werden und im November die Nachfolge von Franz Zimmermann antreten. Wer Stein in der Fraktionsführung nachfolgt, ist offen. Nur Gert Trinklein, der im vergangenen Jahr neu ins Römerparlament gekommen ist, hat bereits abgewunken. Alle anderen Fraktionsmitglieder, so heißt es, würden wohl nicht „Nein“ sagen, wenn ihnen der Chefposten angetragen würde.

Nach Zimmermann und Stein, die um markige Worte nie verlegen waren, sähen viele Liberale natürlich gerne wieder eine rhetorisch gewandte Persönlichkeit an der Spitze der Fraktion. Am ehesten würde diesem Anspruch wohl Christoph Schnurr gerecht. Als jüngster Bundestagskandidat hat er jedenfalls mit Selbstbewusstsein und forschen Sprüchen auf sich aufmerksam gemacht. Im Römerparlament hält er sich bisher allerdings zurück. Seine Befürworter, zu denen offenbar auch Volker Stein zählt, würden die Wahl Schnurrs gerne auch als Signal für eine Öffnung der FDP gegenüber der jungen Generation verstanden wissen.

Genau so viel Charme hätte freilich auch die Wahl einer Frau an die Spitze der Fraktion. Brigitte Reifschneider-Groß und Annette Rinn haben dazu noch den Vorteil, zu den im Parlament nicht gerade überrepräsentierten Selbstständigen zu zählen. Aber auch Yanki Pürsün – als Vertreter der vielen Frankfurter mit Migrationshintergrund – könnten sich einige Liberale gut als Fraktionschef vorstellen.

Als Favoritin für Steins Nachfolge gilt Annette Rinn, die bereits stellvertretende Fraktionschefin ist und sich auch als Vorsitzende des Verkehrsausschusses profiliert. „Eigentlich“, sagt ein FDP-Politiker, „müsste sie gewählt werden.“ Völlig überzeugt davon ist er offensichtlich nicht. In der nächsten Folge:

Opposition mal acht