07.03.2006
Vereine stehen auf der Straße
Von Kathrin Jansen

Niederrad. Seit Jahren schon kämpfen die Niederräder für ein eigenes Bürgerhaus. Obwohl der Stadtteil rund 23 000 Einwohner und etwa 50 aktive Vereine zählt, gibt es dort keinen größeren Treffpunkt. NTG-Turnhalle, die beiden Räume im Bürgertreff und das Angebot in der evangelischen Paul-Gerhard-Gemeinde reichen nicht aus. Und Mitte 2006 wird sich die Situation nun womöglich noch verschärfen. Denn dann steht das Gemeindehaus nicht mehr zur Verfügung. Ursprünglich sollte einmal ein Stadtteilzentrum mit Bürgerhaus, Bücherei sowie Jugendclub und Kindergarten auf dem städtischen Grundstück zwischen Trift- und Goldsteinstraße für Abhilfe sorgen. Das Projekt konnte aber nicht finanziert werden.

Seitdem sorgen regelmäßig neue Konzepte für Diskussionen. Die Realisierung ist bisher aber immer wieder an den fehlenden Geldern oder am politischen Widerstand gescheitert. SPD, FDP und Grüne in der Stadtverordnetenversammlung werfen dem Magistrat nun Hinhaltetaktik vor. Offensichtlich wollten Planungsdezernent und Kämmerer den Niederrädern ein Bürgerhaus vorenthalten, obwohl ein für den Haushalt kostenneutrales Konzept aufgezeigt worden sei, heißt es in einem Antrag der Fraktionen.

Gemeint sind die Pläne, die im vergangenen Sommer von FDP, Grünen und SPD in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht wurden. Demnach soll das Gelände an der Triftstraße an die ABG-Holding verkauft werden, die sich verpflichtet, dort Wohnkonzepte für junge Familien zu realisieren. Im Gegenzug soll die Wohnungsbaugesellschaft zwei zusätzliche Räume und eine Küche am Saalbau Bürgertreff, Goldsteinstraße 33, finanzieren, sowie eine Erweiterung der NTG-Turnhalle. Der marktübliche Kaufpreis für das Grundstück werde um die Kosten für diese beiden Ausbau-Projekte reduziert. NTG und Saalbau müssten sich dem Magistrat gegenüber verpflichten, Halle und Räume für die kommenden 30 Jahre zu marktüblichen Saalbaupreisen Bürgern und Vereinen zu Verfügung zu stellen.

Dieses Konzept wird auch vom zuständigen Ortsbeirat 5 (Niederrad, Oberrad und Sachsenhausen) begrüßt. Ebenso wie die Stadtverordnetenversammlung lehnt das Gremium einen Bericht des Magistrats zu dem Thema ab. Dieser war nicht auf die Forderungen des Parlaments eingegangen. Des Weiteren will der Ortsbeirat wissen, wieso die Bearbeitung dieses Anliegens nun bereits seit zwei Jahren verzögert werde. Viele Vereine stünden inzwischen vor dem existenziellen Aus. Dabei sei mit der ABG-Holding ein Investor gefunden, mit dessen Hilfe der Bürgertreff ausgebaut und so die dringlichsten Raumprobleme gelöst werden könnten, heißt es in dem gemeinsamen Antrag von SPD und Grünen, der auch einstimmig angenommen wurde.

Alfred Gangl, Leiter des Liegenschaftsamtes, sieht das anders. «Das Angebot der ABG-Holding ist vollkommen unzureichend», sagte der Amtsleiter auf Anfrage der FNP. Es würden aber weiter Verhandlungen geführt. Darüber hinaus prüft das Liegenschaftsamt eine weitere Alternative, die in der Vergangenheit von der CDU im Ortsbeirat vorgeschlagen wurde. Demnach könne die Stadt das Grundstück an der Triftstraße auch gegen das ehemalige Gemeindehaus im Mainfeld tauschen. Die Liegenschaft, zurzeit noch im Besitz des Evangelischen Regionalverbands (ERV), steht seit einigen Jahren leer. Sie könnte zu einem Bürgerhaus umgebaut werden.

«Wir haben diese Alternative geprüft. Die Kosten würden sich auf einen sechsstelligen Betrag belaufen», erklärte Alfred Gangl. Diese Ergebnisse würden der Stadtverordnetenversammlung nun noch zur Beschlussfassung vorgelegt werden, allerdings erst nach der Kommunalwahl Ende März.

Welche Lösung er selbst bevorzugen würde, wollte der Amtsleiter nicht sagen. «Das ist die Sache des Stadtparlaments.» Es würde zurzeit aber auch noch eine dritte Alternative geprüft. Dazu könne er zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nichts sagen.