07.02.2005
Abbiegespur erhitzt Gemüter
Von Carmen Schmidt

Oberrad. Fassungslos waren die Mitglieder der Interessengemeinschaft (IG) Neue Wasserhofstraße, als bekannt wurde, dass die Stadt keine Rechtsabbiegespur an der Kreuzung Wehrstraße und Offenbacher Landstraße bauen will. Davon war die Bürgerinitiative, die sich um eine Sanierung und Verkehrsberuhigung der Wasserhofstraße einsetzt hatte, ausgegangen. «Das wurde uns auch immer wieder versichert», empört sich Norbert Scherlitz, Sprecher der Initiative. Am vergangenen Wochenende äußerten Bürger bei einem Ortstermin, zu dem die IG Neue Wasserhofstraße gemeinsam mit der neu gegründeten IG Wehrstraße und dem Bürgerverein geladen hatte, ihren Unmut vor allem angesichts der Belastung durch den Verkehr an der Kreuzung.

Anlass für die Installierung der Ampelanlage im vergangenen Dezember war der anhaltende Protest der Anwohner der Wasserhofstraße, die den Durchgangsverkehr in der engen Gasse nicht mehr hinnehmen wollten (wir berichteten). Mit der Ampel ist es nun möglich, von der Wehrstraße aus geradeaus auf den Buchrainplatz und anschließend links in Richtung Offenbach zu fahren. Damit sollte der Schleichverkehr in der Wasserhofstraße unterbunden werden. Nun jedoch haben die Anwohner der Wehrstraße allerdings den Autoverkehr vor ihrer Haustür.

Zwar lässt sich der Verkehr in der Wehrstraße als einer der Erschließungsstraßen für den Stadtteil nicht verhindern, doch die Lichtsignalanlage hat die Situation für die Anwohner keineswegs verbessert. Der Grund: Durch die Ampel gibt es teilweise einen Rückstau bis zu der Stelle, an der die Wehrstraße einen Bogen macht. Die stehenden und anfahrenden Autos empfinden die Bürger als große Belastung. «Durch eine Rechtsabbiegespur würde sich zumindest der Rückstau verringern lassen», ist Norbert Scherlitz sicher. Umso ärgerlicher sei es nun, dass die Stadt nicht beabsichtige, die Abbiegespur überhaupt herzustellen.

Dies geht aus einem Bericht des Magistrats hervor. Darin heißt es, die Einrichtung von separaten Fahrspuren für den Rechts- und Linksabbiegeverkehr in der Wehrstraße sei weder aus verkehrstechnischer Sicht noch aus Gründen der Leistungsfähigkeit notwendig. «Auf Grund des begrenzten Straßenquerschnitts könnten die separaten Fahrspuren nur noch durch die Wegnahme der Radwege in diesem Bereich realisiert werden», wird in dem Papier weiter ausgeführt.

Das halten die Bürger indes für fadenscheinig. Für die Abbiegespur, die auf dem Grundstück des bisherigen Getränkemarktes errichtet werden soll, sei genug Platz – da waren sich die Mitglieder der IG Neue Wasserhofstraße und die Anwohner der Wehrstraße beim Ortstermin einig. «Die Stadt hat die Fläche bereits gekauft, der Eigentümer ist bereit, die Lagerhalle jederzeit abzureißen», weiß Günter Jung, Vorsitzender des Bürgervereins.

Und dass der Radweg an dieser Stelle ein Hindernis sein soll, kann Jung anhand von Plänen entkräften. Danach soll der Radweg ohnehin eine ganz andere Route nehmen. «Aus dem Bebauungsplan 418 ist zu ersehen, dass er ein gutes Stück vor der Kreuzung rechts abbiegen soll. Nach wenigen Metern verläuft er dann entlang der Kochstraße weiter», schildert Jung. Der Radweg sei auch schon gänzlich hergestellt – lediglich das kurze Teilstück auf dem einst zum Getränkemarkt gehörenden Areal fehle noch. «Wenn dieses Teilstück des Radweges hergestellt ist, gibt es endlich eine durchgängige Verbindung von Sachsenhausen bis nach Aschaffenburg», so Jung.

An der Kreuzung Offenbacher Landstraße und Wehrstraße war also ohnehin nie ein Fahrradweg geplant. «Er würde ja auch im Nirvana enden», meint Scherlitz. Denn einen Anschluss für die Radfahrer, beispielsweise entlang der Offenbacher Landstraße, gibt es an dieser Stelle nicht. Was die Verminderung des Rückstaus und damit die Belastung der Anwohner durch den Verkehr angeht, sind sich die Bürger weitgehend einig. «Wir wollen eine Entlastung, die den Rückstau verringert. Es muss eine Verkehrsberuhigung her», so der Sprecher der IG Wehrstraße, Waldemar Voigt.