09.12.2005
45 Fallmanager werden eingestellt
Frankfurt. Nach der heftigen politischen Kritik von CDU, Grünen und FDP an der ungenügenden Zahl von Fallmanagern will die Rhein-Main Jobcenter GmbH (RMJ) jetzt nachbessern. Im ersten Quartal 2006 sollen 45 neue persönliche Ansprechpartner (PAP) für die Langzeitarbeitslosen eingestellt werden. Das erklärte gestern der Geschäftsführer der RMJ, Robert Standhaft. Damit erhöhe sich die Zahl der Fallmanager auf rund 230. Der in den Hartz-Gesetzen vorgeschriebene Schlüssel, dass ein Fallmanager für höchstens 75 junge Erwachsene unter 25 Jahren zuständig sein soll, sei heute schon erfüllt, sagte Standhaft. Mit den Neueinstellungen werde auch bei den älteren Langzeitarbeitslosen der Stellenplan, der einen PAP für 150 über 25 Jahre alte Langzeitarbeitslose vorsieht, erfüllt. Der Sozialausschuss hatte am Dienstag einen Antrag der Grünen gegen die SPD durchgesetzt, der darauf abzielt, die gesetzlich vorgeschriebene Zahl von Fallmanagern möglichst schnell zu erreichen.

Conrad Skerutsch. Geschäftsführer der Werkstatt Frankfurt, betonte, dass es noch nie so viele Fallmanager gegeben habe wie jetzt. Als noch das Arbeitsamt für die Betreuung der Langzeitarbeitslosen zuständig gewesen sei, habe sich ein PAP um 600 Langzeitarbeitslose kümmern müssen.

Die Rhein-Main Jobcenter hat nun unter dem Titel «Frankfurter Weg zum Berufsabschluss» ein Projekt gestartet, das Langzeitarbeitslose für einen Beruf qualifizieren soll. Von den 25 532 Langzeitarbeitslosen und damit Beziehern von Arbeitslosengeld II sind rund zwei Drittel (16 862) ohne Berufsausbildung, 60 Prozent sind Männer; der Ausländeranteil liegt über 40 Prozent.

Das Angebot richtet sich an die 25- bis 45-Jährigen. Angesprochen werden sollen Menschen, die eher über praktische Fähigkeiten verfügen. Der PAP vermittelt die Kandidaten an die Werkstatt Frankfurt. Genommen wird nur, «wer die Bereitschaft hat, an seiner Biografie etwas zu ändern» (Skerutsch). Wer in den ersten drei Monaten mehr als zehn Prozent der Qualifizierungszeit verpasst, fliegt aus dem Projekt. In den Anfangsphase soll mit 300 bis 350 Teilnehmern begonnen werden. Insgesamt stehen 700 Plätze zur Verfügung. In drei Stufen, die jeweils ein Jahr dauern, sollen die Langzeitarbeitslosen wieder an die Berufswelt herangeführt werden. Wer bereits Vorkenntnisse hat, kann erst in Stufe zwei oder in Stufe drei einsteigen. Am Ende steht die Prüfung durch die IHK und Handwerkskammer, welche das Projekt unterstützen. So stellen die Mitgliedsbetriebe Praktikumsplätze zur Verfügung. Hier hofft Stadthaft auch auf den «Klebeeffekt»; dass ehemalige Praktikanten in ein festes Arbeitsverhältnis übernommen werden.

Bei der Ausbildung wird größten Wert auf den Praxisbezug gelegt. So sollen die angehenden Maler und Lackierer beispielsweise den Tapetenverbrauch auf der Baustelle errechnen.

Ein Jahr der Ausbildung soll in Betrieben stattfinden. Angeboten werden die Berufe Änderungsschneider, Gärtner, Kraftfahrer, Koch, Restaurantfachkraft, Maler und Lackierer, Trockenbaumonteur, Bürokaufmann, Kaufmann für Bürokommunikation, Gebäudereiniger, Fachlagerist und Elektroniker für Energie und Gebäudetechnik.

Nach Abschluss einer Stufe erhalten die Teilnehmer eine Bescheinigung. Wie Sozialdezernent Franz Frey (SPD) betonte, stünden damit die Teilnehmer, die nur ein oder zwei Jahre durchhielten, nicht mit leeren Händen da. Mit den Teilqualifikationen wird auch den gestiegenen Anforderungen an Helfertätigkeiten entsprochen.

Die Kosten des Projekts belaufen sich auf 450 Euro je Teilnehmer und Monat. Bei 700 Teilnehmern wären das knapp 3,8 Millionen Euro jährlich. (tre)