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Aktuell Rhein-Main-Zeitung Frankfurt

Gesundheit

Frankfurt kämpft um Heroinvergabe

Von Brigitte Roth



Das Projekt Heroinabgabe an Schwerstabhängige ist gefährdet
26. Januar 2007 
Die Stadt Frankfurt will nach Worten von Gesundheitsdezernentin Manuela Rottmann (Die Grünen) um die Fortführung der ärztlich kontrollierten Heroinvergabe über den 30. Juni hinaus kämpfen, notfalls auch mit rechtlichen Mitteln. Man müsse erreichen, dass die Behandlung drei weitere Jahre fortgesetzt werden dürfe, sagte Rottmann gestern. Im selben Antrag auf eine Ausnahmegenehmigung beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte habe man darum gebeten, insgesamt 150 Süchtige in das Programm aufnehmen zu können und den Kreis somit über die derzeit 59 Studienteilnehmer hinaus zu erweitern. In Frankfurt ziehe die Politik über Parteigrenzen hinaus an einem Strang. Sie sehe gute Chancen, doch noch eine vernünftige Lösung zu erreichen.

Die bisher erteilte Ausnahmegenehmigung, die am 30. Juni dieses Jahres endet, sei mit der Begründung erteilt worden, eine Verlängerung sei im öffentlichen Interesse. Doch eine weitere Fortsetzung der kontrollierten Heroinvergabe dient nach Ansicht Rottmanns ebenfalls der Allgemeinheit. Eine Studie habe eindeutig belegt, dass sich der Gesundheitszustand der Projektteilnehmer deutlich verbessert habe, das Projekt der Methadonvergabe überlegen sei und den Ausstieg aus der Sucht für Schwerstabhängige erleichtere - was schon etlichen der zu Projektbeginn 96 Teilnehmern gelungen sei. Die Gesundheitsdezernenten der an dem Bundesmodellprojekt beteiligten Städte mit ähnlichen Schwierigkeiten besprechen nach Rottmanns Worten Anfang Februar das weitere gemeinsame Vorgehen.

CDU für Fortführung

„Wir stehen voll und ganz hinter dem Heroinprojekt“, sagte Margrit Weißbach von der CDU-Fraktion im Römer. Das gelte auch für den hessischen Ministerpräsidenten. Es sei ein „Gebot der Menschlichkeit“, die Behandlung fortzusetzen. Briefe an Bundespolitiker mit diesem Anliegen seien jedoch weitgehend unbeantwortet geblieben. Um die Forderung der Stadt Frankfurt schließlich doch noch durchzusetzen, würde sie auch nach Berlin reisen, um die Argumente persönlich vorzutragen, sagte Weißbach.

Man müsse den Bundespolitikern klarmachen, dass der Drogenkonsum durch die ärztlich kontrollierte Heroinvergabe eingedämmt und nicht, wie Kritiker behaupteten, gefördert werde, ergänzte die drogenpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Römer, Renate Wolter-Brandecker. Yanki Pürsün von der FDP äußerte, man könne von niemandem verlangen, eine Therapie abzubrechen, die nachweislich nutze. Im Notfall müsse man das Heroinprojekt mit rechtlichen Mitteln durchsetzen.

„Patienten auffällig gut erholt“

Der ärztliche Leiter der Heroinstudie in Frankfurt, Wilfried Köhler, wies darauf hin, wie auffällig gut sich die Patienten erholt hätten. Müssten sie auf eine andere Therapie umgestellt werden, sei mit Rückschlägen zu rechnen. Das dürfe man nicht riskieren. Falls vom 1. Juli an kein Heroin mehr vergeben werden dürfte, müsste man die Teilnehmer am Heroinprogramm aus medizinischer Sicht schon im März an andere Behandlungen gewöhnt haben, um sie therapeutisch auffangen zu können.

Text: F.A.Z., 26.01.2007, Nr. 22 / Seite 51
Bildmaterial: AP
 
 
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